Kai Lucks: Der Wettlauf um die Digitalisierung

Der Wettlauf um die Digitalisierung

Verlag: Schäffer-Poeschel [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-7910-4675-4

Preis: 89,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 04. Juni 2020]
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Ausgewogene soziale Marktwirtschaft contra radikal digitale Ansätze

Erst langsam, dann immer schneller, effizienter und sich in alle Bereiche des alltäglichen und des Arbeitslebens hinein ausbreitend, so stellt sich der "Siegeszug" der Digitalisierung im Lauf der letzten Jahrzehnte dar. Was einherging und -geht mit den sich mehr und mehr herauskristallisierenden "Big Playern" der Digitalisierung. Die, vielfach ausgehend vom Silicon Valley, den großen Kuchen weitgehend unter sich aufgeteilt haben und mit großer Konsequenz Markführerschaft, Marktherrschaft und die "digitale Vermessung (und Verteilung) der Welt" bereits in sich vereinigen.

Kann ein eher auf Balance von Interessen ausgelegtes Gesellschaftssystem wie das Deutschlands mit seiner immer noch (wenn auch bröckelnden) Idee einer "sozialen Markwirtschaft" und gesellschaftlicher Balance überhaupt gegen solch "entfesselte Kräfte" antreten? Eine Kontrolle digital ausüben? Wo es schon an der Frage des Zahlens von Steuern der großen digitalen Konzerne hapert? Eine Situation, der Kai Lucks sehr profund, gründlich, breit, tief und in ruhigem Ton nachgeht und damit wichtige und fundierte Momente zur aktuellen Diskussion leistet.

Das kleinteilig angelegte, 18seitige Inhaltsverzeichnis gibt da bereits die Richtung des Buches vor. Alle nur erdenkbaren Bereiche und Teile der Digitalisierung werden abgeklopft daraufhin, inwieweit in Deutschland zur (Mit-) Gestaltung Potenziale, aber auch Hindernisse und Hemmnisse, Lernunwilligkeit noch oder bürokratische Hürden im Raume stehen. Und das in der "kritischsten Phase" der "allumfassenden Digitalisierung der Wirtschaft", wie Lucks gleich zu Beginn treffend formuliert. Denn nicht nur, dass manche große Weichen bereits gestellt sind, aktuell werden die entscheidenden Weichen entwickelt, die es zu dringlich zu beachten gibt für die lang- und mittelfristige Zukunft der Wirtschaft und damit für die Gesellschaften in der digitalen Epoche.

Mitsamt dem kritischen Blick auch, den Lucks auf die nahe Vergangenheit wirft und darin aufweist, wie weit vorne Deutschland auch mal war in den Anfängen der Digitalisierung und wie weit das Land aber auch in manchen wichtigen Bereichen schon zurückgefallen, überholt worden ist. Es geht also um "Rückstände aufholen" und Lucks konzentriert sich auf mögliche Wege und deren Voraussetzungen. Somit bietet das Werk vor allem konstruktive Ansätze neben auch mahnenden Verweisen auf Versäumnisse und Hindernisse, so dass der Leser mit vielfachen konstruktiven Ideen versehen der Lektüre folgen kann. Und erhält zudem einen breiten Einblick in die "treibenden Technologien" (natürlich nicht nur) des Internet und einer digital vernetzten Welt.

Wenn man dann lesen kann, dass ein Land wie China 300 Milliarden Dollar schon bereit stellt, für die nächste Phase der Entwicklung und Europa als Gesamtes 20 Milliarden Euro bereit stellt und Deutschland für sich 3 Milliarden, dann werden die drohenden Gefahren, endgültig abgehängt zu werden ebenso an den Zahlen deutlich, wie die Schwierigkeiten, mit solch begrenzten Mitteln überhaupt nur Rückstände aufzuholen. Wobei Lucks ebenso die Hoffnungen aber erläutert, die darauf beruhen, dass Deutschland bei den Grundlagen und im Fertigungsbereich durchaus noch "stark" ist. Und damit ein Ansatzpunkt für aktuell notwendige und wichtige Schritte bereits ausgemacht werden kann.
Fazit
Eine interessante, teils natürlich technisch-trockene, immer aber überzeugende und verständliche Lektüre, die jedem Leser zum Verständnis der "neuen digitalen Welt" empfohlen werden kann.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 09. April 2020

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