Ma Jian: Traum von China

Traum von China

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-498-00107-0

Preis: 22,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 11. November 2019]
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Ma Jinas Vorwort markiert bereits das Ende der Hoffnung. Chinas Historiker werden weiter die "Erniedrigung durch die Kolonialmächte" beklagen und nicht Maos Misswirtschaft mit Millionen von Toten aufarbeiten, um aus der Geschichte zu lernen. Sich nicht erinnern, keine Fragen stellen und mit der Forderung nach Wohlstand und Konsumgütern gegenüber der Staatsführung die Rolle eines Kinds einnehmen – Ma Jian erstickt bereits den Ansatz einer Hoffnung auf Kritikfähigkeit seines Landes.

Sein Protagonist Ma Daode, Direktor des Traum-von-China-Amts, soll die persönlichen Erinnerungen der Bürger ersetzen durch ein kollektives Gedächtnis in Form eines implantierten Traum-von-China-Chips. Ma wird der erste Freiwillige für das Neuroimplantat sein. Der 60-Jährige wurde als Jugendlicher wie seine gesamte Generation in der Mao-Zeit zur Umerziehung aufs Land geschickt. Als Mitglied der Roten Brigaden verbreitete er in jugendlicher Naivität selbst den Schrecken, unter dem seine als bourgeois etikettierten Eltern zu leiden hatten. Eine falsche Klassenzugehörigkeit der Eltern brachte einen damals Gefahr. Bis heute ist Ma die bourgeoise Herkunft seiner Mutter deshalb peinlich. Seine für ihre Zeit typische Biografie teilt Ma mit Millionen von Mitbürgern.

Yaobang, das Dorf, in das Ma und sein Vater damals verbannt waren, soll komplett abgerissen werden, um einem Industriepark Platz zu schaffen. Die Bürger sind mit der Entschädigung unzufrieden und wollen den Abriss verhindern - bis zum bitteren Ende. Direktor Ma soll die Sache richten, er selbst dient als Bauernopfer, damit die Räumung friedlich verläuft und die Regierung nicht das Gesicht verliert. Doch für Ma bringt Yaobang seine persönlichen Schatten an der Wand zurück - das Schicksal seines Vaters und die Erinnerung an die vergessenen Toten, die damals anonym in einem Wäldchen verscharrt wurden.
Fazit
Als Verbindung von Fakten und Fiktion scheuen Ma Jians Romane die Darstellung von Gewalt und Willkür nicht. Etwas weniger drastisch und deprimierend könnten sie wirkungsvoller sein. "Traum von China" demonstriert in Form einer alptraumartigen Dystopie, wie stark die Mao-Zeit bis heute die chinesische Gesellschaft prägt, auch wenn viele das nicht wahrhaben wollen und die Prägung ihrer Eltern der jüngeren Generation längst nicht mehr bewusst ist. Um die Anspielungen auf die Mao-Zeit in allen Details zu verstehen, sind Kenntnisse über Chinas Geschichte sinnvoll.
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 26. Oktober 2019

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