Anna Karina Birkenstock, Brigitte Endres: Was ist los, Joschi Bär?

Was ist los, Joschi Bär?

Verlag: aracari Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Kinderbuch
ISBN-13 978-3-907114-09-4

Preis: 14,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 28. September 2020]
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Der kleine Bär Joschi geht in die erste Klasse einer Bärenschule und wird von seinen Eltern geliebt und umsorgt. Vater Bär spült das Geschirr, Mutter Bär arbeitet im Garten, das Bärenbaby trägt sie dabei auf dem Rücken. Joschi und sein bester Freund Toni spielen leidenschaftlich gern Computerspiele. Wie hingerissen sie dabei sind, wird an Tonis unbemerkt heraushängender Zungenspitze deutlich. Joschis Eltern kontrollieren das PC-Spielen allerdings streng. Wenn am Morgen die Freunde auf den Schulweg verabschiedet werden, betont Mama Bär ausdrücklich, dass sie mit Fremden weder sprechen noch mit ihnen mitgehen dürfen. Als Toni bedrückt wirkt und immer seltener zu Joschi zum Spielen kommt, begründet er das mit einem Geheimnis, das er nicht verraten darf. Auch Joschis Mutter ist bereits aufgefallen, dass Toni sich kaum noch blicken lässt. Sie betont am Abend beim Gutenachtsagen, dass schlechte Geheimnisse verraten werden müssen und keine Geheimhaltung verdienen. Joschi hat inzwischen zufällig Tonis Geheimnis entdeckt – und auch er gerät in eine Situation, in der es ihm schwerfällt, sich einem Erwachsenen anzuvertrauen. Als Vater Bär erfährt, was vorgefallen ist, handelt er sofort. Joschi wird für den Mut gelobt, seine Angst vor Strafe zu überwinden und bei Erwachsenen Hilfe zu suchen. Zum Glück hat die Bärenmama ja betont, dass Hilfe für einen Freund in Not wichtiger ist, als ein Geheimnis für sich behalten.

Brigitte Enders Bilderbuch zur Missbrauchsprävention vermittelt eine sehr zugewandte, fürsorgliche Atmosphäre in Joschis Bärenfamilie, die ein Gespräch über ein "böses" Geheimnis erleichtern kann. Die spürbare Anteilnahme von Joschis Mutter an Tonis Kummer zeigt beispielhaft ein offenes Gespräch zwischen Kind und Eltern ohne Angst vor Strafe. Problematisch finde ich dagegen das Herunterbrechen des Themas Missbrauch auf eine Tierfamilie. Eltern und Angehörigen gefällt das meist, es spricht jedoch nicht alle Kinder an. Mit der Warnung vor "Fremden" haben Joschis Eltern in gutem Glauben eine irreführende Botschaft ausgesendet und ihre Sorgen nicht direkt ausgesprochen. Zum Happy-End der Geschichte fehlt mir die Einsicht der Bäreneltern, dass auch sie offen mit ihren Kindern sprechen müssen.
Fazit
Warme Farben vermitteln neben der Zugewandtheit der Bäreneltern eine heimelige Atmosphäre. Die Körpersprache der Kinder zeigt jedoch auch eindringlich, wie stark sie das Geheimnis eines sexuellen Übergriffs bedrückt. Für die Zielgruppe ab 4 Jahre ist der "Fremde", vor dem sie gewarnt werden, oft noch ein abstrakter Begriff, der sie eher verwirrt. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich mit 3 Jahren zwar gern Eltern und Erziehern gehorchen wollte, das Sprechverbot jedoch völlig falsch verstanden habe. Zum Thema "schlechte Geheimnisse" eignet sich das Buch für Kindergartenkinder – es sollte jedoch nicht das einzige Buch-Angebot zur Missbrauchsprävention sein.
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 19. Oktober 2019

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