Anne Griffin: Ein Leben und eine Nacht

Ein Leben und eine Nacht

Verlag: Kindler Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-463-40708-1

Preis: 20,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 23. September 2019]
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Der hochbetagte Maurice Hannigan hat seine letzten Angelegenheiten in Ordnung gebracht. Sein Besitz ist an einen ausländischen Investor verkauft, die Kisten mit Erinnerungsstücken für Angehörige und Weggefährten sind gepackt und beschriftet, nun will er in der Hotelbar fünf Trinksprüche ausbringen auf die fünf Personen, die sein Leben geprägt haben. "When all is said" … so der treffende Originaltitel. Die Menschen, die von Maurice Erinnerungsstücke vererbt bekommen, sind andere als die, an die er an diesem Abend zurückdenkt. Es kann also eine lange Nacht werden mit ihm an der Bar des Hotels, das für ihn eine besondere Bedeutung hat. Dass er am Ende seines Lebensweges angelangt ist, ist von Beginn an klar, ein Happy-End ist ausgeschlossen. Fragen könnte man sich, warum Maurice seinen Haushalt allein aufgelöst hat, ohne Hilfe von Freunden und Nachbarn. Gibt es in seinem Leben Dinge, die er lieber verbirgt?

Maurice hatte eine harte Kindheit, geprägt durch Armut und schwere Arbeit. Der Konflikt zwischen wohlhabendem Grundbesitzer und abhängigem Landarbeiter wird ihn lebenslang prägen, auch die Verbitterung, dass sein Bruder Tony jung sterben musste, weil die Familie arm war. Die Not seiner Jugend wird zum Antrieb von Maurices geschäftlichem Erfolg, sie ist jedoch auch Grund für seine Maßlosigkeit, die andere Menschen oft nicht nachvollziehen können. Aus Maurices sprunghaftem Erinnern muss man sich manches zusammenreimen. Maurices Reden auf seine Frau, seinen Bruder, seinen Sohn, seine tot geborene Tochter und die behinderte Schwester seiner Frau verknüpfen sich zu einem typisch irischen Lebenslauf, geprägt von Tabus und Ungesagtem. All das so lange nicht Erzählte, nicht Getane, nicht Wertgeschätzte wirkt in der Konzentration zutiefst deprimierend und erklärt schließlich Maurices besondere Familiensituation.
Fazit
Anne Griffin verwebt die Geschichte vom ewigen Konkurrenzkampf zweier Familien mit der Geschichte ihres Landbesitzes und des Hotels, in dem Maurice seinen letzten Trinksprüche ausbringt. Eine besondere Rolle für Maurice, wie auch für seinen Konkurrenten Thomas, spielt die Münze, die auf der Coverrückseite abgebildet ist. Ob die Geschichte der Münze in die Familiengeschichte eingepasst wurde oder die Familienstory in die der Münze, ist schwer zu entscheiden. Die Gliederung des Romans durch Maurices liebevolle Auswahl des passenden Getränks, ein Buchcover in edlem Golddruck und ein Lesebändchen vermitteln eine Wertschätzung, die in Maurices Leben zu lange gefehlt hat.
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 22. August 2019

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