Thomas Bruckner: Wundersuche

Wundersuche

Verlag: Picus [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-7117-2067-2

Preis: 22,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 23. September 2018]
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Ein irritierender Blick auf wundersame "Heiler"

Auf ein Prozent beziffert die Schulmedizin jene Fälle von Heilung bei schwerer und schwerster Erkrankung, für die es keine wissenschaftliche Erklärung gibt, die dennoch geschehen und gemeinhin als "Wunderheilung" bezeichnet werden.

Auf viel mehr Prozent belaufen sich jene "Heilungsangebote" und jene "Sucher", die bei niederschmetternden Diagnosen und angesichts der Ohnmacht der klassischen Medizin bestimmten Krankheiten in bestimmten Stadien gegenüber "auf den Plan treten".

Alternative Therapien, Schamanen, Handaufleger und vieles mehr ist dabei in dieser "Wunderheilungswelt" zu finden. Wobei, scheinbar, nach den Erfahrungen Bruckners vieles, aber eben nicht alles als haarsträubender Humbug sich herausstellen wird. Und gerade die Ausnahmen sind es, die dem Leser am Ende der Lektüre tief im Gedächtnis verbleiben werden.

"Die Behauptung, meine Tumordiagnose sein ein Geschenk des Himmels gewesen, wäre eine glatte Lüge. Die Entscheidung allerdings, deswegen alternative Heiler aufzusuchen, erwies sich als goldrichtig".

Persönlich betroffen somit macht sich der Journalist auf die Reise in diese "Alternativ-Welt" und fasst die Ergebnisse sehr flüssig, sachlich, mit einer gehörigen Portion (Galgen-) Humor auch zusammen.

Heilung durch "Geister" in einer Sekte mit charismatischem Anführer? Eine Operation durch einen philippinischen "Wunderdoktor"? Kontakt zu Voodoo-Priestern in Afrika? Pendler, Kartenleger, Aura-Sucher? All das ist dem "normalen Alltag" völlig fremd und kommt wohl tatsächlich erst zum Tragen, wenn die innere Not groß ist und verzweifelt nach Hilfe und Heilung gesucht wird. Ein Zustand auch, das beschreibt Bruckner griffig und verständlich, in dem ein Mensch sich in ganz anderer Weise mit wesentlich weniger Distanz auf solch merkwürdige Handlungen und Phänomene einzulassen bereit ist.

So bietet Bruckner im Gesamten eben nicht eine kritische, distanzierte Darstellung all dessen, was ihm begegnet, sondern begibt sich offen mitten hinein in das jeweilige "Heilungsangebot". Auf diese Weise gelingt ein ganz besonderer Erlebnisbericht, der den Leser auch innerlich emotional und nicht nur intellektuell mit auf die Reise nimmt.

"Mit Respekt, Offenheit und der mir maximal möglichen Unvoreingenommenheit ließ ich die jeweiligen Heilungsmaßnahmen…..über mich ergehen".

Mit vielen surrealen Erlebnissen, teils aber auch verblüffenden Folgen.

Bis dahin, am Ende eine Form der inneren Ruhe gefunden zu haben, die nicht nur die konkrete Angst vor der Krankheit und den Ergebnissen abschließender Untersuchungen genommen hatte, sondern sogar die vorhandene Klaustrophobie deutlich verringert hat.
Fazit
Und das ist eine interessante Erkenntnis, ein inneres Erleben, welches Bruckner am Ende mitzuteilen hat. Dass vielleicht an ihm keine unbedingten Wunder "energetischer Heilungen" stattgefunden hatten, aber das Innere Erleben und die Haltung, mit der Brucker der Welt und seiner Krankheit am Ende begegnet, eine ganz andere geworden ist, als zu Zeiten der Eröffnung der Diagnose.

Eine Veränderung der Haltung, die das offene Ende des Buches bestens erklärt und den Leser am Ende auf sich selbst zurückverweist. Mit vielen Indizien, aber keinen eindeutigen und klaren Empfehlungen.

"Alles Leben ist Problemlösen", das ist die tiefere Erkenntnis dieses besonderen Weges und Erlebens, das Bruckner anregend zu erzählen versteht, bei aller persönlichen Dramatik.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 10. September 2018

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