Anna Tell: Vier Tage in Kabul

Vier Tage in Kabul

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-499-27384-1

Preis: 14,90 Euro bei Amazon.de [Stand: 24. September 2020]
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In Kabul werden zwei Mitarbeiter der schwedischen Botschaft vermisst; Forderungen von möglichen Entführern liegen bisher nicht vor. Entführungsopfer werden in der Region häufig sofort in ein Nachbarland gebracht oder weiter verkauft. Es muss also schnell und unauffällig gehandelt werden. Amanda Lund von der schwedischen Reichskriminalpolizei als erfahrene Unterhändlerin ist im Rahmen der ISAF-Mission zur Ausbildung afghanischer Sicherheitskräfte im Land und beginnt sofort zu ermitteln. Sie will den Fall so lange wie möglich gegenüber der schwedischen Öffentlichkeit verbergen, ist in Afghanistan jedoch auf die Kooperation mit dem afghanischen Polizeiapparat angewiesen. Sicherheitsmaßnahmen in der Botschaft waren praktisch nicht existent, was möglichen Tätern sicher nicht entgangen ist. Schon bald stellt sich ihr die Frage, was der schwedische Botschafter verheimlicht und wie weit Amanda sich auf ihr Mentee, den afghanischen Kommandanten verlassen kann.

In Schweden wird inzwischen ein Toter aufgefunden. Noch ahnungslos, dass beide Fälle zusammenhängen könnten, ermittelt die Abteilung von Amandas direktem Vorgesetzten Bill Ekman (der ihren Einsatz in Afghanistan koordiniert) so lustlos, als wolle sie die Ermittlungen boykottieren. Ihr Kollege Oskar hat längst innerlich gekündigt und schleppt sich widerwillig durch seinen Beruf. Die vorhandenen Spuren hat er damit bereits verwischt.

Anders als Amanda ahnen die Leser des Thrilles bald, warum der schwedische Botschafter erpressbar sein könnte und wo das Motiv für die Entführung liegt. Ein hochspannender Plot entwickelt sich aus der erzwungenen Zusammenarbeit von einheimischen Polizeikräften und ihren ausländischen Beratern. Beide Seiten können und wollen einander nicht trauen, jeder will einen Trumpf in der Hand behalten.

Anna Tell ist Kriminalkommissarin und setzt sich im Einstiegsband ihrer Serie sehr kritisch mit Einsätzen auseinander, die in Krisengebieten eine einheimische Polizeiorganisation aufbauen sollen – durchaus gegen den passiven Widerstand der einheimischen Polizei. Sie betont, dass ihre Figuren frei erfunden wären. Indem die Autorin die schwedische Polizei als höchst reformbedürftig darstellt, vermeidet sie, den Anfängerstatus der afghanischen Kollegen besonders herauszustellen. Anschaulich stellt sie Sicherheitslecks aus Bequemlichkeit oder Selbstüberschätzung heraus, letztlich die Fehlerkultur einer kompletten Gesellschaft, die sich zu lange anderen Kulturen für überlegen gehalten hat. Diese Kritik ließe sich weiterführen zu der Frage, ob die Weltgemeinschaft sich bei der Afghanistan-Mission nicht von Anfang an selbst belogen hat.

Band 2: Nächte des Zorns
Fazit
Volle Punktzahl für den aktuellen Schauplatz, einen hochspannenden Plot, seine plausible Auflösung und das lesefreundliche Layout des Romans.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 24. August 2018

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