Sabrina R.: Manchmal wünschte ich, er wäre nie Polizist geworden.

Manchmal wünschte ich, er wäre nie Polizist geworden.

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-499-63320-1

Preis: 9,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 27. Mai 2020]
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Erschrocken bin ich bereits beim in die Hand nehmen des Buches: hier muss und will eine Autorin unter einem Pseudonym schreiben, um sich und ihre Familie zu schützen (so schreibt es der Verlag in seinen Anmerkungen). In einem Land wie unserem mit einem ausgeprägt demokratisch-rechtsstaatlichen Status kein gutes Zeichen! Zugegeben: das Thema ist durchaus brisant. Aufrüttelnd schildert die junge Berliner Mutter und Frau eines überzeugten Streifenpolizisten, was es heißt Familie, die eigenen beruflichen Stress und die Erfordernisse des Polizeidienstes in Einklang zu bringen. So recht tauschen möchte da wohl niemand.

Der Leser wird mit den alltäglichen Aufgaben und Erlebnissen des Polizeidienstes in Berlin (mit den Besonderheiten einer Großstadt) bekannt gemacht und, soweit möglich, auch mit den komplexen und komplizierten Einflüssen auf den (familiären) Alltag der Beamten und deren Lebenspartnern und Kindern konfrontiert. Da werden auch die ungünstigen Arbeitszeiten, die mangelhafte Bezahlung und Ausrüstung und nicht zuletzt die fehlende Wertschätzung in (Teilen) der Bevölkerung, bei vorgesetzten Dienststellen und in der Politik aufgezeigt. Über die verschiedenen Abschnitte dieses gut lesbaren Taschenbuchs wird sichtbar: es ist alles andere als ein leichter Job, kein "Traumberuf" im landläufigen Sinne, nicht nur für die Beamten selbst, nicht weniger für deren Familien und letztendlich auch für das gesamte soziale Umfeld. Insofern rüttelt dies Buch auf und regt zu intensivem Nachdenken an!
Fazit
"Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus." So steht es in Artikel 20 unseres Grundgesetzes. Dem Staat wird durch die Bürger das Gewaltmonopol übertragen, das der Staat wiederum für das Funktionieren des Rechtsstaates einzusetzen hat. Die Gewaltenteilung bildet dabei das Gerüst des Rechtsstaates. Zur exekutiven Gewalt zählen auch unsere Polizisten, die wahrhaftig keinen leichten Job haben. Besorgniserregend vor allem, dass in letzter Zeit die Hemmschwelle für boshafte Attacken immer weiter sinken. Teilweise sind Polizisten und Rettungskräfte diesen Gewalttaten recht hilflos ausgeliefert. Hinzu kommen, ganz offensichtlich, eine Reihe beklagenswerter Begleitumstände.

Beim Lesen des Buches war ich hin und hergerissen. Eines wird glasklar: Der Beruf des Polizisten muss durch eine ganze Reihe deutlicher Verbesserungen wieder attraktiver werden. Die Polizei ist und bleibt (in zunehmenden Maße) wesentlicher Bestandteil für unsere Sicherheit, aber auch für den gesicherten Fortbestand unseres Rechtsstaates. Die Politik ist gefordert: Reden alleine hilft nicht - handeln ist angesagt und das auf verschiedenen Ebenen!

Aber auch wir Bürger sind gefordert: der Schrei nach mehr Sicherheit erfordert Vertrauen in unseren Rechtsstaat und die Bereitschaft, entsprechende Investitionen gut zu heißen. Ein Mehr an Investitionen auf einer Seite bedeutet zwangsläufig Abstriche an anderer Stelle zu akzeptieren. Ein Euro besitzt zwar zwei Seiten, aber er kann trotz alledem nur einmal ausgegeben werden. Kurzum: Wer A sagt, muss auch in diesem Falle B sagen. Hoffentlich passiert etwas - bald!

Hier und da konnte ich den Ausführungen aber nur zum Teil folgen und ein bißchen weniger Druck auf die Tränendrüsen hätte es an der ein oder anderen Stelle auch getan. Beispielsweise ist die Frage nach dem "Wie" für optimale Abstimmung von eigener Karriere, beruflichen Anforderungen des Ehepartners und die Vereinbarkeit in zahlreichen modernen Familien ein Thema, ebenso wie der Umgang mit schlechter Bezahlung, ungünstigen Arbeitszeiten u.v.m.
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Vorgeschlagen von Dietmar Langusch [Profil]
veröffentlicht am 19. April 2020

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