Jan Böttcher: Das Lied vom Tun und Lassen

Das Lied vom Tun und Lassen

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-498-00658-7

Preis: 19,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 22. Juli 2014]
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Der Lehrer, der Schulinspektor und eine Schülerin erzählen diese Geschichte jeweils aus ihrer Sicht. Manuel, Musik- und Englischlehrer, ist gerade dabei, ein paar alte Schulbänke auf den Dachboden seines geräumigen Bauernhauses zu bringen. In diesem Sommer sind viele verreist und Manuels Leben reduziert sich auf den Hund, den er im Urlaub seiner Nachbarn betreuen wird. Die Möbelstücke stehen für einen konsequenten Schnitt in seinem Leben. Hat Manuel sich zur Kündigung nötigen lassen? Ist er aus dem Schuldienst gemobbt worden? Der bei seinen Schülern beliebte Lehrer kann den Tod seiner Frau auch nach Jahren nicht verwinden; Marianne ist seine Gesprächspartnerin. Manuel bot im letzten Schuljahr das Projekt Schüler-Band an. Seine Schüler sollten nicht nur Musikstücke komponieren, sondern ihre Auftritte selbst organisieren und vermarkten. Clarissa war für das Protokollieren der Ereignisse in einem Blog verantwortlich. Nun steht Clarissa plötzlich in Manuels Küche und mit ihr die Erinnerung, dass sich eine von Manuels Schülerinnen im letzten Jahr das Leben genommen hat. Mit der Schüler-Band hat Manuel sich an seiner Schule vermutlich nicht nur Freunde gemacht. Die digitale Welt erregt die Angst der Etablierten, vermutet er. Als Witwer vereinsamt, isoliert in seinem Dorf irgendwo in der Heide, fiel Manuel möglicherweise in private Freundschaften zu seinen Schülern die fachliche Distanz schwer. Nach Merets Tod wurde Manuels Bauernhaus zu einem Refugium der Trauernden, eine Parallelwelt, in der der PC ausgeschaltet blieb.

In dieser konfliktträchtigen Ausgangssituation wechselt die Erzählperspektive mit dem Auftreten des Schulinspektors Johannes Engler. Den Auftrag hat Engler von seinem Professor erhalten; dem bekannt ist, dass Engler dringend Geld benötigt. Der Inspektor ist selbst Musiker, ein schwieriger Mensch, der untersuchen soll, wie die Schulgemeinschaft den Selbstmord einer Schülerin verarbeitet hat. Bei der Suche nach Informationen über Meret bändelt Engler mit Clarissa an - auch er hat Probleme mit der professionellen Distanz. Merets und Clarissas Schule wird als Pionierprojekt von den Eltern und von einem privaten Sponsor finanziert, der im Gegenzug für seine Milchprodukte werben darf, und nur zu einem Teil vom Staat. Das Finanzierungsmodell führte zu Einmischung Schulfremder in den Unterricht und ist u. a. Grund für Manuels Frust. Der dritte Teil des Romans besteht aus Clarissas Blogeinträgen über die Europa-Tournee der Band Animal Museums und schlägt einen Bogen direkt zurück zum Beginn des Romans.

Der erste Teil um den Lehrer Manuel hat mich am intensivsten angesprochen, das Auftauchen Englers nahm Tempo aus der konfliktreichen Situation und Clarissas Aufzeichnungen klären schließlich die Ereignisse um Merets Tod und die Beziehung der Schüler zu Manuel.
Fazit
Jan Böttcher hat mit Nachglühen bereits einen Provinzroman vorgelegt und zeigt nun wieder sein Talent, die klaustrophobische Idylle eines kleinen Ortes zu charakterisieren. Die Stille des Sommers, die alten Gebäude zwischen Obstbäumen kontrastieren mit der Welt moderner Medien, in der Manuels Schüler sich bewegen. Die Auswirkungen auf die Unterrichts-Atmosphäre, wenn ein Unternehmen eine Schule finanziert, lassen sich ahnen. Einen wichtigen Anteil an der Handlung haben die Songtexte; der besondere Reiz dieses Romans ergibt sich aus dem unterschiedlichen Alter der drei Erzähler und ihrer Beziehung zueinander.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 11. Oktober 2011

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