"Woher sprichst du denn so gut türkisch?" wird die Journalistin
Alanyali in Istanbul gefragt.
"Für eine Türkin ist dein Deutsch ziemlich gut!", heißt es in Berlin. Als Tochter eines türkischen Vaters und einer deutschen Mutter kennt sie sich in der türkischen Psyche aus. Der türkischen? "Ich bin ein Türkenschwabe" findet ihr Vater. In der Erzähltradition des Nasreddin Hoca erleben wir mit, wie Vater Alanyali als kleiner Prinz unter "drei Frauen, 17 Katzen und gefühlten eintausend Teppichen" im kemalistisch geprägten Izmir aufwächst. Der junge Architekt Alanyali will zunächst nur zwei Jahre in Deutschland bleiben, um danach noch Englisch und Französisch zu lernen. Doch dazu kommt es nicht mehr, nachdem er sich in die Tochter von "Oma und Opa Korbach" verliebt hat. Der beruflich erfolgreiche Einwanderer radiert unangenehme Erinnerungen an seine erste Zeit in Deutschland inzwischen lieber aus. Seine Tochter liest die Radierschnipsel auf und verwebt sie mit ihren eigenen Erlebnissen. Als verwöhntes Großstadtkind sah sie "Osttürken" mit Kopftuch und Schnauzbart nur aus der Ferne. Mutter und Tante des Vaters reisten eines Tages an, blieben in Deutschland und bewiesen täglich neu, dass die osmanische Kultur der deutschen in kulinarischer Hinsicht überlegen ist - zur Freude der beiden Alanyali-Töchter. Dass es die Pflicht eines türkischen Vaters gewesen wäre, seine Töchter einzusperren und ihre Verhüllung zu überwachen, wusste die Autorin damals noch nicht. Wenig erfahren die Leser über Alanyalis Mutter - das Verhältnis zwischen türkischer Schwiegermutter, türkischer Tante und deutscher Schwiegertochter wird nicht immer märchenhaft gewesen sein. Die Autorin - Redakteurin der WELT - schließt ihre Erzählung mit der Bemerkung, sie habe manches untertrieben, manches übertrieben. Fazit
Iris Alanyali erzählt fesselnd aus ihrer behüteten Kindheit in einer gut
situierten, weltoffenen deutsch-türkischen Familie. Die neue deutsche
Migranten-Literatur kann deutschen Lesern bisher verschlossene Türen öffnen.
Besonders die Beschreibung von Alanyalis Türkei-Reisen aus der Perspektive
zweier Kulturen hat mir sehr gut gefallen.
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