Nic Stone: Dear Martin

Dear Martin

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Jugendroman
ISBN-13 978-3-499-21833-0

Preis: 17,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 16. Dezember 2018]
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Justyce McAllister schreibt an den 1968 ermordeten Dr. Martin Luther King jr., mit dessen Biografie er sich für sein Referat in der 10. Klasse beschäftigt hat. Der Schüler aus Atalanta/Georgia besucht als einer von nur acht schwarzen Schülern eine feudale Prep School. Justyce (Jus) hat ein herausragendes Ergebnis im Test seiner Hochschulreife hingelegt und wird für sein geplantes Jurastudium sicher ein Stipendium erhalten. Doch ein einziger schwarzer Vorzeige-Lehrer als Vorbild ist für Justyce definitiv nicht ausreichend, um sich an seiner Schule wohl zu fühlen. Seit vor kurzem in Nevada ein schwarzer Jugendlicher von der Polizei erschossen wurde, bezieht Justyce die Gefahr real auf sich, als Junge aus einem "schlechten" Stadtviertel von weißen Polizisten schikaniert zu werden und durch die Überreaktion eines schlecht ausgebildeten Polizisten sein Leben zu lassen. Obwohl er bisher nie im Gangsta-Look aufgetreten ist, passiert Justyce, was er befürchtet hat – er wird von der Polizei kontrolliert und verhaftet, weil ein Schwarzer im Hoodie zwangsläufig kriminell sein muss. Als Quan, der Cousin von Jus‘ Freund Manny, einen Polizisten tötet, der ihn drangsaliert hat, ist jedem klar, dass ein weißer Polizist im umgekehrten Fall straffrei davon kommen würde, wenn er Quan erschossen hätte.

Justyce Beziehung zu Emmanuel (Manny) und der Jahrgangsbesten Sara-Jane (SJ) zeigt seine schwierige Lage aus weiteren Perspektiven. Mannys Mutter als Psychologin und schwarze Akademikerin könnte eins der raren Vorbilder für Justyce sein. Doch ihm wird umso deutlicher, dass Schwarze und Weiße keine gleichen Chancen haben, je länger er sich mit der US-amerikanischen Geschichte beschäftigt. Die amerikanische Verfassung hat offenbar nur weiße Männer gleichgestellt, aber nicht alle Menschen. Jared wiederum sieht das genau umgekehrt; denn er vermutet, dass er nur deshalb keinen Studienplatz erhält, weil die Uni eine Quote für begabte schwarze Schüler festgelegt hat. Zwischen ihm und Justyce spitzt sich die Frage zu, wer für ein Studium geeignet ist und wer den Platz verdient hätte. Justyce ärgert sich zunehmend darüber, dass Manny so viel Zeit mit Leuten herumhängt, die sich Schwarzen gegenüber respektlos verhalten oder sie ausnutzen. Zugleich wird aus der Community schwarzer Jugendlicher die Erwartung an ihn laut, Justyce solle endlich schwarze Codes und Bezüge verinnerlichen und entsprechend Partei ergreifen. Bleibt nicht zuletzt die Frage zu klären, ob Justyce bei Sara-Janes jüdischen Eltern als x-beliebiger schwarzer Jugendlicher auch dann willkommen wäre, wenn er kein Musterschüler wäre und sie sich durch ihn keinen positive Einfluss auf SJs Schulleistungen versprechen würden…

Justyce hat viele Fragen an Martin Luther King jr., während er beim Schreiben seine Lage analysiert. Antworten kann er nicht erwarten. Aber wie King es damals geschafft hat, trotz aller Anfeindungen seine Würde zu bewahren, die Antwort könnte Justyce heute weiterhelfen …
Fazit
Justyce McAllister sitzt zwischen mehr als nur zwei Stühlen; denn die Anforderungen an einen schwarzen Musterschüler sind widersprüchlich in einer Gesellschaft, in der Polizisten in ihrer Freizeit offen bewaffnet unterwegs sind und ein weißer Polizist nicht irren kann. Dem Black Man’s Curse kann Justyce zwar nicht entkommen, aber die gläserne Decke zur Karriere gesellschaftlicher Aufsteiger darf gern öfter so kraftvoll beschrieben werden wie Nic Stone es hier tut.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 06. Mai 2018

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