Gill Lewis: Ein Zuhause für immer

Ein Zuhause für immer

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Kinderbuch
ISBN-13 978-3-423-76184-0

Preis: 14,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 21. August 2017]
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Scarlet hat keine Zeit dazu, Kind zu sein, weil ihre Mutter in der Familie nicht die Rolle eines Erwachsenen ausfüllt. Die Mutter der Zwölfjährigen lebt in ihrer eigenen Welt und nur Scarlet kann mit ihrem jüngeren Bruder Red umgehen. Diese falsche Einschätzung kann Scarlet lange nicht infrage stellen. Nur Scarlet kann Red die Geschichte richtig erzählen, die in den Sümpfen Trinidads spielt. Zu Trinidad hat Scarlet eine besondere Beziehung, weil von dort ihr Vater stammt, der die Familie schon vor langer Zeit verlassen hat. Red leidet vermutlich unter einer Form von Autismus und muss sich deshalb selbst gesetzten strengen Regeln unterwerfen. Wird Red z. B. in seiner Ins-Bett-Geh-Routine gestört, muss er noch einmal ganz von vorn beginnen. Scarlet teilt das Geld ein, kümmert sich um Red und achtet darauf, dass die Regeln der Sozialpädagogin Mrs. Gideon eingehalten werden, die die Familie regelmäßig überprüft. In Mrs. Gideons Macht steht es, die Kinder aus der Familie zu nehmen und dabei auch voneinander zu trennen. Red war früher bereits in einer Pflegefamilie. Dass die Familie nicht mit ihm klar kam, scheint völlig logisch; denn besser als Scarlet kennt niemand den Jungen.

Nach einem Wohnungsbrand müssen die therapiebedürftige Mutter und die Kinder sofort als Notfälle untergebracht werden. Scarlet kommt in eine Pflegefamilie; wohin Red gebracht wird, verschweigen die Erwachsenen ihr. Weder mit Pflegemutter Renée noch mit einer Schulpsychologin scheint Scarlet über ihre Familiensituation zu sprechen. Obwohl das Mädchen bei Renée und ihrer Familie zum ersten Mal die Gelegenheit hat, sich wie eine zwölfjährige Schülerin zu verhalten, setzt sie alle Hebel in Bewegung, Red aufzuspüren. Dass Scarlet nicht von Experten erklärt wird, welche Hilfe ihr Bruder braucht, lässt in dieser etwas zu märchenhaften Geschichte die Ereignisse durch Scarlets kindliche Lösungsversuche eskalieren.

Familienstrukturen, in denen ein Kind die Rolle des Haushaltsvorstandes übernimmt, weil die Eltern dazu nicht in der Lage sind, und Autismus gehören zu den Klassikern im Problembuch für Kinder. Aber müssen es gleich so viele Probleme sein wie hier? Ausgrenzung von Kindern aus bi-nationalen Beziehungen, psychische Krankheit, Autismus, Kinder in Pflegefamilien und das Trauma der alten Vogel-Lady, all das reißt Gill Lewis nur sehr kurz an. Für ein Kinderbuch kommt mir Scarlets Einsicht zu spät, dass manche Erwachsene Kindern wie ihr zur Seite stehen und auch mit autistischen Kindern umgehen können.
Fazit
Für die Zielgruppe von Lesern ab 10 finde ich die Botschaft des Buches nicht besonders sinnvoll, dass Geschwister eines behinderten Kindes Probleme ohne professionelle Hilfe entweder selbst lösen müssen oder glückliche Zufälle zu Hilfe kommen. Die Geschichte ist zwar stimmungsvoll erzählt, bleibt inhaltlich jedoch hinter dem zurück, was 10- bis 13-Jährige heute über Entwicklungsstörungen wissen - oder sich zum Thema flink aneignen können.
6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 09. August 2017

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