Europa und die Europäische Union - oft als Synonym verwendet und doch nicht
eins. Zu einen zählen lediglich 27 der 50 Staaten, die ganz oder teilweise auf
dem Kontinent liegen als Mitgliedsländer, zum anderen, da diese
Staatengemeinschaft in jüngster Zeit immer wieder von sich reden macht - leider
häufig konnotiert mit überbordender Bürokratie, Bürgerferne und eben:
uneins. Und das, obwohl das Motto der EU eine ganz andere Richtung vorsieht:
"In Vielfalt geeint". Die Geschehnisse indes erfordern etwas anderes,
nämlich eine Union, die ihren Namen verdient. Gerald Knaus und seine Tochter
Francesca greifen diese Situation auf und ordnen sie ein. Aktualität und
historische Bezüge spielen hierbei eine zentrale Rolle.
Die Autoren schildern ein Europa, das unter den aktuellen Krisen erschüttert
wird, wie seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr. Ein großer Teil des
Buches arbeitet historische Ereignisse heraus, beschreibt Personen, die sich
nach Ende des Zweiten Weltkrieges für Frieden, Versöhnung und Integration
stark gemacht haben. Nicht immer ganz selbstverständlich, denn die ein oder
andere Biografie zeigt: Die Umsetzung des europäischen Gedankens erfordert Mut,
Inspirationen über den Status einer guten Idee hinaus zu befördern. Die
Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland spielte hierbei die zentrale
Rolle.
Gerald und Francesca Knaus plädieren dafür, dass die EU nicht nur ihre
Institutionen retten muss, sondern eine realistische Vision benötigt, die
Mehrheiten erreicht - insbesondere die junge Generation! Für die beiden Autoren
ist dabei nicht ausschließlich die wirtschaftliche Zusammenarbeit wichtig,
sondern eine stetige Erweiterung der Union bei gleichzeitiger Verteidigung
demokratischer Werte wie Rechtsstaatlichkeit und Sicherheit.
Fazit
Das richtige Buch zur rechten Zeit? Auf einen Nenner gebracht: Ja, auf jeden
Fall!
Im vorliegenden Werk werden wichtige Themen der europäischen Gegenwart
aufgegriffen und eingeordnet; der größere historische Zusammenhang wird in den
Blick genommen und als Basis der heutigen Europäischen Union begründet. Es
werden Perspektiven für die Zukunft eröffnet und wichtig: Europa hat eben
nicht nur Probleme, sondern kann auch Lösungen anbieten! Dies kann und soll aus
Sicht von Gerald und Francesca Knaus Perspektive für die positive Entwicklung
einer sich stetig erweiternden Gemeinschaft sein.
Insgesamt betrachte ich das vorliegende Buchprojekt auch deshalb als positiv,
weil Vater und Tochter Knaus die Sichtweisen unterschiedlicher Generationen
inhaltlich gekonnt einbringen. Wie alle politischen Sachbücher hängt die
inhaltliche Einschätzung vom Blick des jeweiligen Lesers ebenso ab wie von der
Betrachtung des/der einzelnen Autoren/Autorin.
Mein persönliches Fazit: Das Buch ist ein leidenschaftliches und historisch
fundiertes Plädoyer für ein vereintes (und starkes) Europa. Die aufgezeigten
hoffnungsvollen Ansätze regen zum Nachdenken an, der gut verständliche
Schreibstil trägt zur Lesefreude ebenso bei wie die Offenheit der
Argumentation. Geradezu natürlich, dass konkrete politische Strategien und
detaillierte Reformvorschläge wenig Raum finden. Sie hätten den Rahmen des
vorliegenden Buches zweifelsfrei gesprengt. Als "Appetitmacher" regt
es an, zu weiterer Fachliteratur zu greifen.
Vorgeschlagen von Dietmar Langusch
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veröffentlicht am 22. Februar 2026 2026-02-22 17:59:00