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Abdurazak Gurnah: Das verlorene Paradies

Das verlorene Paradies

von Abdurazak Gurnah
Verlag: Penguin Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: historischer Roman
ISBN-13 978-3-328-60258-3

Preis: 25,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 16. August 2022]
Zwischen Traum und Wirklichkeit


Ostafrika, Ende des 19. Jahrhunderts: In Zeiten des Kolonialismus wird Yusuf von seinen Eltern als Pfand an einen geschäftstüchtigen, reichen arabischen Händler abgegeben. Dem 12jährigen Jungen bleibt nichts anderes übrig, als sich in sein Schicksal einzufinden. In seinem neuen Zuhause freundet er sich mit dem älteren Khalil an, dem ebenfalls das gleiche Los widerfahren ist. Ihr gemeinsamer Mittelpunkt ist ein Einkaufsladen. Entwurzelt und einsam, versucht Yusuf, sich in der neuen Welt zurechtzufinden. Er träumt vom Paradies und interessiert sich für das Schöngeistige. Aber sein Alltag zeigt sich ihm in einem anderen Gesicht.

In seinem vierten Roman erzählt Abdulrazak Gurnah die Geschichte seines Heimatlandes. Mehrere Jahrhunderte zurückgehend, reflektiert er in einer ruhigen, klaren Sprache die Entwicklung Ostafrikas von einem eigenständigen Volk zu einer zerstörten Nation. Gekonnt beschreibt der Schriftsteller die profunden Veränderungen in Afrika, die indische Geldgeber und arabische Karawanenhändler in das Land einbrachten. Unterschiedliche religiöse Überzeugungen, Respektverlust gegenüber Frauen und Sklavenhandel lösten die traditionellen Werte des afrikanischen Volkes ab. Hinzu kommt noch die zunehmende Präsenz der Europäer, die jedoch eine untergeordnete Stellung in diesem Roman einnimmt. Das Buch verbreitet beim Lesen eine düstere Stimmung, die noch verstärkt wird durch Yusufs weiteren Lebensweg.

Von seinem Vormund wird er auf eine Handelsexpedition in das Innere des Landes mitgenommen. Dort erfährt er mit voller Wucht das abenteuerliche Leben des Händlers auf Reisen. Menschlich entwürdigende Umgangsformen, Szenen voller Gewalt, Menschenhandel und Ausbeutung sind an der Tagesordnung. Aber Yusuf, inzwischen 17 Jahre jung, hält, trotz viel erlebter Grausamkeiten, an seinem Traum vom Paradies fest. Ein umfangreiches Glossar rundet die Geschichte zu einem interessanten, mitreißenden Leseerlebnis ab.

Abdulrazak Gurnah wurde 1948 im ehemaligen Sultanat Sansibar geboren. 1967 wanderte er nach Großbritannien aus. Dort studierte er englische Literaturwissenschaften mit anschließender Promotion. Nach einer Dozententätigkeit 1980 in Kano, Nigeria, kehrte er 1983 nach Großbritannien zurück. Bis zu seiner Emeritierung 2017 hatte er an der University of Kent eine Professur inne. Dort lehrte er englische und postkoloniale Literatur. Heute lebt er in Canterbury, Kent. Der Schriftsteller gilt als einer der bekanntesten Vertreter der ostafrikanischen Literatur. 2021 wurde Abdulrazak Gurnah für seinen historischen Roman "Das verlorene Paradies" mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.
Fazit
Abdulrazak Gurnah ist mit " Das verlorene Paradies" ein kluger und fesselnder Roman über die vorkoloniale Zeit in Ostafrika gelungen. Ein Stück Zeitgeschichte, lebendig und feinnervig erzählt.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von Heike Jaschhof [Profil]
veröffentlicht am 14. Juli 2022

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