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Charlotte Wiedemann: Den Schmerz der anderen begreifen

Den Schmerz der anderen begreifen

von Charlotte Wiedemann
Verlag: Propyläen Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-549-10049-3

Preis: 22,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 30. Juni 2022]
Ein sensibles und schwieriges Thema (um den Begriff "heikel" einmal zu vermeiden) greift die Autorin Charlotte Wiedemann im vorliegenden Buch auf. Letztendlich dreht es sich um die Frage um die Einordnung des Holocaust unter Beachtung der Genozide, die im Verlauf v.a. der jüngeren Geschichte stattfanden. Mutig vom Propyläen-Verlag, der insbesondere im Genre historischer Literatur renommiert ist, und ebenso mutig von der Autorin, die als Auslandsreporterin und Publizistin über den notwendigen "Weitblick" verfügt.

Den Mittelpunkt der Betrachtungen nimmt der Holocaust ein. In den Augen der Deutschen aus leicht nachvollziehbaren Gründen, das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Auch die Frage: was ist unter dem Holocaust zu verstehen, wird nicht aus den Augen verloren. In den KZ starben jüdische Mitbürger in unfassbar großer Zahl, aber beispielsweise auch Sinti und Roma (deren Tötungen als "Porrajmos" bezeichnet werden) und weitere Gruppierungen, die nicht in das Weltbild der Nationalsozialisten passten. Vorsätzlicher Mord - ein singuläres Merkmal des Holocaust?

Den Blick erweitern Betrachtungen zu weiteren Genoziden, die an anderen Orten (vor allem auf dem afrikanischen Kontinent) stattfanden und ebenso millionenfach unschuldigen Menschen das Leben kosteten. Als Täter traten auch hier vielfach Europäer auf, die im Rahmen der Kolonialisierung Gewalt gegen ethnische Gruppen ausübten. Charlotte Wiedemann bewertet weniger, sie kämpft mit sich selbst. Ist ein Opfer des Holocaust anders zu (be-)werten, als das Opfer eines anderen Genozids?Eine tragische und geradezu unmenschliche Frage zugleich.
Fazit
Mit dem vorliegenden Band wirft die Autorin einen eigenen Blick auf eine Fragestellung, die mittlerweile als "Neuer Historikerstreit" (traurige) Furore gemacht hat. Wer sich hierzu genauer informieren möchte, findet im Buch eine Reihe von Literaturhinweisen, die einen vertieften Blick auf die Fragestellung erlauben und es somit ermöglichen, selbst Position zu beziehen.

Ja, gefühlvoll geht die Autorin das hochsensible Thema an. Zumindest wenn es um den Holocaust geht, empfinde ich die Deutungen der Autorin bemerkenswert, würde mich in verschiedenen Details ihren Wertungen jedoch nicht anschließen. Auch wenn mich die zweifelsohne gefühlvollen Schilderungen vergleichbarer Verbrechen tief berührt haben, so würde ich mich aus verschiedenen Gründen nach wie vor auf die Seite derer schlagen, die dem Holocaust eine historische Singularität einräumen. Und selbstverständlich bin ich mir dabei bewusst, dass ich diese Wertung aus deutscher Sicht betrachte.

Ein schwieriges Thema, dass bedauerlicherweise an Aktualität nichts verloren hat. Mein Geschichtsbild wurde durch die Ausführungen der Autorin und der inhaltlichen Auseinandersetzung gefestigt.
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Vorgeschlagen von Dietmar Langusch [Profil]
veröffentlicht am 19. Juni 2022

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