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Kerstin Gulden: Fair Play. Spiel mit, sonst verlierst du alles!

Fair Play. Spiel mit, sonst verlierst du alles!

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Jugendroman
ISBN-13 978-3-499-00628-9

Preis: 18,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 20. April 2021]
Kera. Elodie. Leonard. Max. Vier Schüler und Schülerinnen eines normalen 11. Jahrgangs einer Berliner Schule erzählen vom Umwelt-Wettbewerb des Senats, für den sie mit einer Tracking-App ihren Energieverbrauch kontrollierten. Der Stand des persönlichen Klimakontos sollte für das Projekt sofort in den Sozialen Medien geteilt werden. Am Ende der Klimaschutzaktion muss das Gemeinschaftskonto ein Guthaben aufweisen. Wer sein persönliches Konto mal wieder beim Streamen überzieht, entlarvt nicht nur eigenes Süchteln, sondern verringert zugleich die Gewinn-Chancen des Schulprojekts. Frau Wenger, die Politiklehrerin, hat taktisch geschickt gewählt, wen sie als Werbeträger für die Aktion anspricht. Als einzige der Gruppe einflussreicher Schüler scheint bisher Kera aufrichtig am Thema interessiert zu sein. Elodie ist als populäre Kosmetik-Influencerin hervorgetreten, Max hat nur seine Bewerbungsmappe für das Grafik-Design-Studium im Kopf und Leonard träumt von einer Karriere im Silicon Valley. Die Lehrerin drängt besonders Max zur Teilnahme, um seinen Schulabschluss noch durch aktive Mitarbeit zu retten. Doch Max zögert am längsten, sich für Fair Play zu registrieren.

Von einem fächerübergreifenden Projekt ist so wenig die Rede wie von Zugriffsrechten und Datensicherheit, als Leonard auf einem Stick die fertige App liefert. Fortan wird er der Herr der App sein. Ein Probelauf wäre unnötig bei einer selbsterklärenden Anwendung, betont er selbstbewusst. Schon bald hat sich an der Schule die Hälfte der Schüler für die App registriert. Die gesamte Schule gerät ins Energiesparfieber. Am Pommes-Stand wird nach dem eigenen Teller der Kunden gefragt. Sogar die Abschlussfahrt steht zur Disposition, weil sie zu viel Energie verbrauchen würde. Wer zögert, ein Fair Player zu werden, kann schnell als Foul Player in die Isolation geraten. Als Gruppendruck zunehmend spürbar wird, fürchtet Elodie, dass der Konflikt aus der virtuellen in die reale Welt übergreifen wird.

Elodie geht als eine der Gallionsfiguren der Klima-Aktion das größte persönliche Risiko ein. Auch sie braucht das Projekt, um versetzt zu werden und sie kann nur schwer einschätzen, wie ihre Follower auf ihre Teilnahme reagieren werden. Längst im streng durchgetakteten Leben der Influencer-Szene angekommen, kann Elodie sich einen Rückgang ihrer Werbeeinnahmen nicht leisten. Als Fair Play offenbar selbst zum Influencer wird und man sich allmählich fragt, ob an der Aktion wirklich nur Schüler beteiligt sind, läuft das Projekt aus dem Ruder. Die Handlung gewinnt an Tempo, als weitere Personen ins Spiel und die Karten schließlich auf den Tisch kommen. Wie sich die vier Protagonisten und ihre Beziehungen entwickeln und welche Motive die Jugendlichen antreiben, liest sich absolut fesselnd. Selbst als erwachsene Leserin fühlte ich mich zum Spekulieren angeregt und musste meine Einschätzung der vier Protagonisten immer wieder ändern.
Fazit
Kerstin Gulden bricht das hochaktuelle Thema Social Scoring - hier mit dem Ziel des Klimaschutzes - geschickt auf die Schülerrealität ihrer 17-jährigen Figuren herunter. Dass die Beziehungsebene plotbedingt zu lange im Mittelpunkt steht und der Umgang mit persönlichen Daten offenbar niemanden interessiert, fand ich schon von Beginn des Romans an unbefriedigend. Selbst wenn die populären Vier die juristische und die technische Seite völlig ignorieren würden, müsste es an der Schule doch wenigstens eine kritische Stimme gegeben haben …
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 09. März 2021

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