Peter Dausend, Horand Knaup: Alleiner kannst du gar nicht sein. Unsere Volksvertreter zwischen Macht, Sucht und Angst.

Alleiner kannst du gar nicht sein. Unsere Volksvertreter zwischen Macht, Sucht und Angst.

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-423-28249-9

Preis: 22,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 24. Oktober 2020]
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Die Staatsform der Bundesrepublik Deutschland wird als parlamentarische oder auch repräsentative Demokratie gesehen. Das hebt die besondere Stellung des Parlaments und der Abgeordneten als gewählte Repräsentanten oder Vertreter der Bürger hervor. So weit, so gut. Aber wie sieh die Arbeit im Parlament tagtäglich aus, fernab von verfassungsgemäßen Bestimmungen und Festlegungen, was ist gängige Praxis und wie frei sind unsere Abgeordneten in ihrer Willensentscheidung wirklich? Diesen und weiteren (interessanten) Fragen gehen die beiden Autoren Peter Dausend und Horand Knaup. Die beiden Journalisten kennen aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit die Arbeit des Parlaments und der Regierung gut und möchten dem interessierten Leser einen Eindruck über die Lebenswelt unserer Bundestagsabgeordneten vermitteln.

Der Titel des Buches weist bereits darauf hin: Ganz am Schluß stehen die Abgeordneten alleine da. Nach der anfänglichen Begeisterung nunmehr das angestrebte, staatspolitisch hoch angesehene Amt der/des Bundestagsabgeordneten durch das Votum der Wähler auf Zeit wahrzunehmen, kehrt schon rasch Ernüchterung ein. Der erbarmungslose und hektische Alltag bestimmt das Leben. Gleich, ob es um die Position (hierarchisch, wie politisch) innerhalb der eigenen Fraktion dreht, um die Arbeit mit Medien, Lobbyisten, der Parteibasis oder den Bürgern des Wahlkreises. Stets stellen die Abgeordneten das Zentrum des Lobes, häufiger aber der Kritik dar. Der Umgang miteinander im Parlament, aber auch außerhalb hat sich geändert. Die Schärfe der Auseinandersetzung und des Tonfalls hat sich geändert - keineswegs zum Besseren, wie die Autoren an zahlreichen Beispielen eindrucksvoll belegen.

Das bleibt auch nicht "in den Klamotten" stecken - die Persönlichkeit ändert sich. Nicht sofort, sondern nach und nach, ein schleichender Prozess, der ebenfalls nicht ohne Auswirkungen auf das Privatleben bleibt. Und da ist natürlich noch eine, wenig beachtete, aber sehr wichtige Frage: Was geschieht nach dem "Aus"? Auch diesem Aspekt gehen Peter Dausend und Horand Knaup nach.
Fazit
Ein spannend geschriebenes Buch, das einen (tiefen) Einblick in den Alltag unserer Repräsentanten in Berlin zulässt. Die Autoren verstehen ihr journalistisches Handwerk, berichten, kommentieren und erzählen so, als wäre man live vor Ort. Unabhängig von der politischen Couleur lernt der Leser die Abgeordneten als (zweifelsfrei politische) Menschen kennen. Ein völlig anderer Blick auf die Bedingungen und Wirkungen des Alltagslebens eines Volksvertreters, gleich ob Hinterbänkler, oder zur politischen Prominenz gehörend.

Gerade in Zeiten von Politikverdrossenheit ein wichtiges Buch, das eine breite Leserschaft verdient. Ganz zum Schluss versuchen sich die Autoren im Kapitel "Störstellen" mit Vorschlägen zur Optimierung des politischen Betriebs. Aus meiner Sicht zeigt sich bei der Schwachstellenanalyse, wie schwierig Verbesserungen sein können. Hier geht die Stringenz teilweise verloren, denn: einfache Lösungen sind nicht immer die besten Lösungen.
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Vorgeschlagen von Dietmar Langusch [Profil]
veröffentlicht am 11. Oktober 2020

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