Hans Richard Fischer: Unter den Armen und Elenden Berlins

Unter den Armen und Elenden Berlins

Verlag: Walde und Graf Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-946896-44-9

Preis: 15,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 19. Januar 2020]
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Sozialkritische Betrachtungsweisen der Gesellschaft sind in der heutigen Zeit keine Seltenheit. Auch wenn das vorliegende Buch von Hans R. Fischer diesem Genre entspricht oder nahekommt: es ist eine echte Rarität! Es handelt sich nämlich um eine zeitgenössische Schilderung der Menschen am Rande der Gesellschaft im späten 19. Jahrhundert, speziell in der Reichshauptstadt Berlin. Der Autor, ein Journalist, taucht "hinab" in die Sphären der Armen und Elenden der glitzernden und boomenden Großstadt. Er selbst hat Armut kennengelernt und musste seinen Weg zu einem, schlußendlich angesehenen, Journalisten als Autodidakt hart erkämpfen.

Eine Besonderheit also, denn der Autor kennt das Metier nicht nur am eigenen Leibe, sondern er betrachtet den Umgang mit dem Rand der Gesellschaft, den Armen und Elenden, aus zeitgenössischer Sicht. Und er bedient sich zu diesem Zweck damals ungewöhnlicher Methoden: heute würde man von investigativem Journalismus sprechen. Er selbst recherchiert, zumindest für einen Teil seiner Betrachtungen, indem er sich als Bettler verkleidet in die Obdachlosenasyle begibt und die Hoffnungslosigkeit hautnah erlebt und erfährt.

Er stellt den Lesern die städtischen sozialen und karitativen Auffangstätten ausführlich dar: staatliche und private Asyle für Menschen ohne Wohnsitz, Häuser für "gefallene" Mädchen und Frauen verschiedenen Alters, Heime für Kinder, Irrenanstalten und Krankenhäuser für arme und verlassene Menschen, die vom Leben nichts mehr zu erwarten haben und sich oftmals im wahrsten Sinne des Wortes in den letzten Zügen befinden.
Fazit
Hans Richard Fischer war erst 24 Jahre alt als er loszog in Berlin. Er beschreibt exakt und einfühlsam was es bedeutet, gesellschaftlich an den Rand gedrängt zu sein. Dass es in vielen Fällen nahezu aussichtslos war wieder Tritt zu fassen und in die Mitte der Gesellschaft zu gelangen. Fehlende Möglichkeiten, fehlende Akzeptanz und schwindender Mut die erforderlichen Schritte anzugehen. Die schillernde Seite der Gesellschaft einerseits und eben die Gegenseite der Armen und Elenden, werden in ihrem Kontrast im Rampenlicht einer Großstadt eindringlich geschildert. Gerade weil es eine zeitgenössische Schilderung ist, rührt sie besonders an. Ja: an Schreibstil und Sprache muss man sich gewöhnen. Dennoch ist die Lektüre dieser Schrift ein Wachrüttler und ein Gewinn für den Leser und von daher eine absolute Leseempfehlung!
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Vorgeschlagen von Dietmar Langusch [Profil]
veröffentlicht am 03. Januar 2020

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