Matthias Quent: Deutschland rechts aussen

Deutschland rechts aussen

Verlag: Piper Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Politik
ISBN-13 978-3-492-06170-4

Preis: 18,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 15. Dezember 2019]
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Deutlich wurde die Misere nach 2015 in besonderem Maße. Dennoch: das Problem ist altbekannt. Neonazistische, rechtsradikale und extremistische Tendenzen hörten in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg nie ganz auf. In der Bundesrepublik wurde hiermit anders umgegangen, als in der DDR. Wurden im Westen rechtsextremistische Tendenzen verharmlost, durfte es in der ehemaligen DDR derartige Tendenzen offiziell gar nicht geben. Schließlich war man als Arbeiter- und Bauernstaat sozialistischen, antikapitalistischen und somit auch antifaschistischen Idealen verpflichtet.

Quent beginnt sein Buch mit den Ereignissen von Chemnitz und den Lektionen, die hieraus zu ziehen sind. Die offensichtlichen Übergriffe allerdings sind in der Masse und der Schärfe vielleicht neu, aber sie haben eine Tradition, die in beiden Teilen Deutschlands latent vorhanden waren. Die Frage, woher die scheinbar zunehmende Unterstützung für die rechten Extremisten kommt und welche Methoden angewandt werden, um die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen und mit kruden Untergangstheorien zu versehen, werden ausführlich beschrieben. Quent erklärt auch, warum eine beachtliche Zahl von Menschen in den neuen Bundesländern für die rechten Argumente besonders zugänglich erscheinen, ohne zu missachten, dass bedeutender Rückhalt auch aus den westdeutschen Bundesländern kommt.

"Sie kommen nicht durch!" - No pasáran! Das abschließende Kapitel widmet der Autor zusammenfassenden Argumenten gegen die rechten Theorien und beschreibt Möglichkeiten, wie rechten Verhaltensweisen und Argumenten mit Überzeugung entgegenzutreten ist. Und das dürfte Konsens in den Reihen demokratischer Kräfte sein!
Fazit
Zweifelsfrei greift der Autor ein brandaktuelles und heikles Thema zugleich auf. Vormals wissenschaftlicher Mitarbeiter einer Landtagsabgeordneten der Fraktion "Die Linke" im thüringischen Landtag und nunmehr Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) in Jena, hat sich Quent mit dem Thema Rechtsextremismus in besonderem Maße beschäftigt und hierüber geforscht. Aus eigener Sicht kennt er die starken Strömungen und Tendenzen, die in den neuen Ländern einer Partei wie der AfD Menschen gerade scharenweise in die Arme treibt. Er kennt aber auch die Auswüchse, die sich in rechtsextremistischen Übergriffen und Attentaten auf verabscheuenswerte Art und Weise Luft verschaffen.

Diesen gewalttätigen, radikalen und gegen unsere Demokratie gerichteten Angriffen mit Entschiedenheit und Entschlossenheit entgegenzutreten, muss das Ansinnen aller Demokraten in diesem Lande sein - ohne wenn und aber. Und dem werden alle politischen Kräfte von links-liberal bis konservativ ohne weiteres beipflichten. Gerade in jüngster Zeit gab es jedoch immer wieder rechtsradikale Übergriffe und Attentate. Nicht nur in einem bislang unbekannten Maß, sondern auch mit besonderer Brutalität. Die Spitzenpolitiker nahezu aller Parteien reagieren auf diese Gefahren. Es ist zwar spät, aber eben noch nicht zu spät. Diese Schlussfolgerung zieht der junge Rechtsextremismusforscher Matthias Quent in seinem vorliegenden Buch. Flüssig geschrieben, lässt sich das Buch entsprechend leicht lesen.

Dennoch: aus meiner Sicht sind seine politischen Richtungsangaben jedoch nicht immer stringent. Rechts-links als Grundmuster mag in seinen Auslenkungen noch nachvollziehbar sein, die Mitte indes ist in den Schilderungen schwer greifbar, insbesondere wenn es um den Begriff "konservativ" geht. Mal als rückwärts gewandt, an anderer Stelle als bewahrend (im positiven Sinne) dargestellt, erscheint gerade dies politische Spektrum für den Leser schwer greifbar. Klar wird auf jeden Fall: die Mehrheit der Bürger steht hinter dem Grundgesetz und der Demokratie als Staatsform; selbst wenn die neue Rechte versucht, ein anderes Bild zu zeichnen. Nüchterne Betrachtungen der Zahlen helfen, ein realistisches Bild zu zeichnen. Und insofern ist ein gewisser Optimismus in Bezug auf die politische Auseinandersetzung durchaus angebracht, insbesondere wenn es darum geht, konsequent radikalen Argumenten entgegenzutreten.

Allerdings ist zu bezweifeln, dass es wirklich klug ist, den neuen Rechten nicht argumentativ entgegenzutreten, sondern ihnen öffentliche Podien zu entziehen. Wenn wir sie "ausblenden" sind sie dann wirklich weg oder "erledigt"? Gerade in Anbetracht der Fülle an Möglichkeiten z.B. über die "Social Media" erscheint mir dies nicht nur unrealistisch, sondern kontraproduktiv!
6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne

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Vorgeschlagen von Dietmar Langusch [Profil]
veröffentlicht am 27. November 2019

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