René Nyberg: Der letzte Zug nach Moskau

Der letzte Zug nach Moskau

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-423-28173-7

Preis: 22,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 25. September 2020]
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Eine interessante und ungewöhnliche Geschichte seiner Familie (oder besser gesagt: den mütterlichen Teil seiner Familie) beschreibt der ehemalige finnische Diplomat René Nyberg in seinem vorliegenden Buch. Die Idee zur Forschung nach dem Stammbaum seiner Familie bekam er aufgrund eines Zufalls.

"Mutter Jüdin, aber hat die Deutsche Schule besucht." Diese Notiz, die dem Autor im finnischen Aussenministerium in die Hände fiel, weckte in ihm die Neugier, genauer nachzuforschen. Das Ergebnis seiner Nachforschungen präsentiert er dem interessierten Leser im vorliegenden Buch. Der Geschichte der Familie nachzugehen war alles andere als einfach. Seine Mutter wurde aus ihrer Familie verstoßen, weil sie, als Tochter einer orthodox-jüdischen Familie einen Nicht-Juden heiratete und zudem zum evangelisch-lutherischen Glauben konvertierte. Von da ab war sie für ihre Eltern und ihre Brüder symbolisch "gestorben".

Die wechselvolle Geschichte der Familie Tukatsier ist die Geschichte einer jüdischen Familie, geprägt von geografischer "Unruhe", was die Aufenthalts- und Lebensorte anbelangte. Nicht untypisch in der Zeit zwischen beiden Weltkriegen und zwischen den Ideologien des nationalsozialistischen Deutschen Reiches und der restriktiven Politik der Sowjetunion unter Stalin. So erfährt der Leser viele interessante Details zum Leben der Juden in Osteuropa und insbesondere in den baltischen Staaten (Estland, Litauen und Lettland). Hinweise zu den historischen Entwicklungen in diesen Ländern vermitteln ein sinnvolles Hintergrundwissen.

Ebenfalls leider nicht untypisch für Menschen jüdischen Glaubens in der Zeit um den Zweiten Weltkrieg, zeigt die Familiensaga alle Facetten: einige sterben (fallen den Exzessen der SS, der Reichswehr oder der Roten Armee zum Opfer), einige emigrieren nach Israel oder in die Sowjetunion, andere kehren später wieder zurück. Die Familie lebt weit zerstreut und dennoch gelingt ein Wiedersehen in der Nachkriegszeit, zumindest für einen kleinen Teil der Familie.
Fazit
In gut lesbarer Form präsentiert der Autor eine Fülle bestens recherchierter, vielfältiger und beeindruckender Details. Für den Leser öffnet sich eine fremde und spannende Welt. Tief beeindruckend, mit welchem Mut und Überlebenswillen die jüdischen Bürger ihr tägliches Leben gestalteten. Ohne jegliche Sicherheit: was wird der morgige Tag bringen?
6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne

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Vorgeschlagen von Dietmar Langusch [Profil]
veröffentlicht am 21. Juli 2019

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