Clare Furniss: Morgen ist heute schon vorbei

Morgen ist heute schon vorbei

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Jugendroman
ISBN-13 978-3-499-21812-5

Preis: 14,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 18. April 2019]
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Harriet/Hattie Lockwood hat reichlich langweilige Ferien vor sich, als überraschend eine Großtante in ihrem Leben auftaucht. Glorias Nachbarin in London sorgt sich darum, dass die alte Dame Zeichen von Demenz zeigt, und bittet Harriets Familie um Hilfe. Der Moment könnte nicht ungünstiger sein; Harriets Mutter und ihr Partner Carl wollen heiraten und Hattie hat gerade entdeckt, dass sie von Reuben schwanger ist. Von Reubens unpersönlichen Mails aus seinem Urlaub in Frankreich ist die Siebzehnjährige mehr als enttäuscht, ihre beste Freundin ist in Schottland unterwegs und Hattie verdrängt – überfordert von der Situation – ihre Schwangerschaft. Dass Oma Gwen eine jüngere Schwester hat und sich dahinter ein kleiner Familienskandal verstecken könnte, scheint eine willkommene Ablenkung für Hattie. Ihr Vater, der als Kriegsreporter im Einsatz ums Leben kam, hat so wenig von seiner Familie erzählt, dass seine Tochter ihre Familiensituation leicht gestört findet. Immerhin hat Carl ein liebevolles Verhältnis zu seinen Patchwork-Kindern und Harriet kann deshalb nicht nachvollziehen, warum ihre Mutter von der bevorstehenden Hochzeit so gestresst wirkt. Harriet wenigstens bricht zu Gloria nach London auf und steht den Problemen einer chaotischen Ex-Schauspielerin gegenüber, die je weniger Hilfe annehmen will, je bewusster ihr selbst der Abbau ihrer geistigen Fähigkeiten wird. Gloria will ihre Lebensgeschichte erzählen, diesen finsteren Ort, jetzt sofort, ehe sie sie völlig vergisst. Wie bei der klassischen Löffelliste wünscht sich Gloria eine letze Reise gemeinsam mit Hattie nach Cambridge und Yorkshire an die Orte ihrer Jugend. Gloria, ganz das rebellische Gegenstück zu ihrer perfekten Schwester Gwen, wurde ebenfalls mit 17 ungeplant schwanger. Nur konnte sie sich damals auf keinen Fall jemandem anvertrauen. Gloria wurde in ein abgelegenes streng religiöses Mutter-Kind-Heim geschickt, noch ehe die Schwangerschaft sichtbar wurde, ihr Kind zur Adoption frei gegeben. Parallel zu Glorias Erzählungen aus der Ichperspektive befasst sich Harriet theoretisch mit dem Problem der Altersdemenz - in einem Buch -, die sich bei Gloria erst in ihrem Anfang zeigt. Als Hattie sich endlich einer Freundin anvertraut, die ihr Wissen über Schwangerschaft ebenfalls aus einem Buch hat, drängt Kat: Harriet, du musst einen Arzttermin machen, du musst etwas unternehmen. Die Informationsbeschaffung der Mädchen wirkt in beiden Problemfeldern befremdlich. Schließlich wird Carl aktiv und zeigt sich als der verständnisvolle Erwachsene, den Hattie so dringend braucht.
Fazit
Clare Furniss zeigt glaubhaft, wie es dazu kommen kann, dass eine Jugendliche ihre Schwangerschaft verdrängt und in ihrer Situation lange keine Hilfe sucht. Hattie als zugleich mutige und hilfebedürftige Jugendliche finde ich absolut glaubwürdig geschildert. Ihre trubelige Familiensituation mit wenig familienfreundlichen Arbeitszeiten der Erwachsenen und temperamentvollen jüngeren Geschwistern weckt Verständnis dafür, dass sie ihre Probleme so lange vor den Erwachsenen verbergen konnte. Ihrer Protagonistin in der Gegenwart stellt die Autorin eine Gesprächspartnerin gegenüber, die ihre eigene tragische Geschichte schon längst hätte erzählen sollen.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 17. April 2019

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