Hat man in "Rosarios Geschichte", die anfangs mehr Verwirrung als
Berührtheit stiftet, erste Zusammenhänge entdeckt, dürfte auch der letzte Leser
dieses Buch nicht aus den Händen legen. Rosario Baluyot, eines der vielen Opfer
des Sextourismus auf den Philippinen, stirbt mit elf Jahren auf erschreckende
Weise, "man fand einen abgebrochenen Massagestab. In Ihrem
Unterleib.". Dazu entwirft Majgull Axelsson einen Dokumentarroman, der
Einblicke in das kurze, grausame Leben Rosarios gewährt.
Axelsson vermeidet es, mit Rosario sämtliche Mißhandlungen, die philippinischen Kindern von europäischen oder amerikanischen Sextouristen angetan werden, zu typisieren; Axelsson wehrt sich gegen einen Schlußstrich unter das sehr aktuelle Thema Kinderprostitution; stattdessen beschreibt sie die knappen Lebensläufe mehrerer Nebenprotagonisten, die Rosario mehr oder weniger verbunden sind; erst das letzte Drittel des Buches gehört Rosario. Fazit
Axelsson wühlt auf, sie schildert eine Wirklichkeit, die in ihrer Rohheit ans
4., in ihrer Zerrissenheit ans 17. und in ihrer Grausamkeit ans 20. Jahrhundert
erinnert; sie legt hier einerseits eine seriöse Studie über die Verwobenheit von
Zuhälterketten und bestechlichem Staatstreiben, andererseits einen engagierten
Roman gegen die westliche Arroganz vor.
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