Nur weil die Tür eines alten Istanbuler Holzhauses in der Nähe des
Topkapi-Palastes offen steht, wird die Leiche eines unbekannten jungen Mannes
gefunden. Den Mieter des Hauses hat niemand gekannt, doch die Nachbarn sind
sicher, dass er Armenier ist. Der Gerichtsmediziner - selbst Armenier und damit
Christ - stellt fest, dass das Opfer sich regelmäßig Drogen spritzte (oder
gespritzt bekam?) und dass seine Muskeln so verkümmert sind, als hätte er nie
das Haus verlassen, sich nie bewegt.
Die Handlung spielt im Istanbul der Gegenwart: russische "Nataschas" sind schon an der Arbeit. Die Mordkommission wirkt wie ein Istanbul im Kleinen: Cohen ist Jude, Polizeimeisterin Ayse Farsakoglu ist Muslima, die beratende Psychiaterin hat eine irische Mutter und wird deshalb als besonders farbiger Vogel angesehen. Sie alle haben in ihren Familien jede Menge Konflikte zwischen alt und jung, zwischen Islam und anderen Glaubensrichtungen auszufechten. Wie kann es Kommissar Cetin Ikmens erwachsene berufstätige Tochter z. B. wagen, mit einem jüdischen Kollegen einkaufen zu gehen! Als das Team nachforscht, ob der junge Mann irgendwann einmal vermisst gemeldet wurde und was die Informanten aus der Pädophilen-Szene so gehört haben, wird eine Kette überraschender und gefährlicher Ereignisse in Gang gesetzt. Die "dirty details" über Missbrauch, Zuhälterei und Pädophilie hätte ich nicht so drastisch gebraucht. Das Personal des Krimis mitsamt seiner komplizierten Familienverhältnisse finde ich sehr sympathisch. Die Autorin lässt ihre jüngeren Figuren familiäre Konflikte ungeschminkt ansprechen. Der Schauplatz des Krimis in Istanbuls Sultan-Achmed-Viertel ist ein Juwel und muss dringend in weiteren Krimis gepflegt werden! Fazit
Frauen bei der Polizei sind unentbehrlich - auch in Istanbul. Spannende Handlung
an exotischem Schauplatz.
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