Till Raether: Treibland

Treibland

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-499-26708-6

Preis: 14,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 03. Dezember 2016]
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Hauptkommissar Adam Danowski vom LKA Hamburg fremdelt als gebürtiger Berliner nach mehr als 10 Jahren noch immer gegenüber seiner neuen Heimat. Vor kurzem hat sich Danowski ins LKA versetzen lassen, um seine Belastung aus Schichtdienst und Familienpflichten zu reduzieren. Durch einen anonymen Anrufer erfahren die Behörden von einem Seuchenausbruch an Bord eines Kreuzfahrtschiffs im Hamburger Hafen und stellen das Schiff mit rund 1500 Passagieren unter Quarantäne. Der Hamburger Kaufmann Lorsch, der an einer Ebola-ähnlichen Seuche verstorben ist, hatte eine Kreuzfahrt gebucht, um in Schottland Geschäftstermine zu wahrzunehmen. Kontaktpersonen, die sich mit Sicherheit nach Ausbruch der Krankheit infiziert haben, sind nicht auffindbar. Die Möglichkeit eines Terroranschlags durch Viloviren als Motiv der Vorgänge an Bord wird zunächst verdrängt. Die Behörden von Panama werden hoffentlich irgendwann einen Ermittler auf das Schiff schicken, das unter der Flagge von Panama fährt, meint man beim LKA und veranlasst zumindest pro forma Ermittlungen. Die Hamburger Behörden wollen kein Aufsehen erregen; einen offiziellen Katastrophenplan für einen "Biohazard" scheint es nicht zu geben. Ins Dickicht der Nichtzuständigkeiten dringt eine Virologin des Instituts für Tropenmedizin mit beachtlicher Penetranz vor; sie übernimmt inoffiziell die Leitung der Ermittlungen.

Danowski und sein Kollege Finzel sind für den geheimnisvollen Fall abgestellt, weil beide für wenig leistungsfähig gehalten werden und ihr Fehlen ihre Abteilung nicht sonderlich belastet. Direkt vor seiner Abordnung zum Fall Seuchenausbruch erhielt Danowski die Diagnose, er wäre nicht - wie befürchtet - schwer krank, sondern als Hochsensibler von seinen Lebensumständen chronisch überfordert. Hinter der Fassade eines antriebslosen Menschen ermittelt Danowski die Hintergründe von Lorschs Tod mit den routinierten Instinkten eines Kriminalbeamten und einem ungewöhnlichem Gespür für andere Menschen. Die Reiseplanung des Verstorbenen wirkt auf Ermittler wie Leser sonderbar, ebenso Lorschs wenig betrübte Ehefrau. Da Danowski die hanseatische Denkweise noch immer fremd ist, übersieht er zunächst, dass hinter Lorschs Tod auch kommerzielle Interessen stehen könnten.

Das Zuständigkeitswirrwarr im Fall eines Seuchenausbruchs in Deutschland ist als Ausgangsszenario eines Krimis sehr beunruhigend. Till Raether schickt einen Ermittler an die Arbeit, dessen Tatkraft von seiner Umgebung unterschätzt wird und der hinter der Maske seiner Unbedarftheit unerwartete Ermittlungsergebnisse erzielen kann. Danowskis Blick aus seiner Außenseiterposition karrikiert die hanseatische Denkweise spöttisch, ohne herablassend zu wirken, und entspricht ganz und gar Danowskis hochsensibler Persönlichkeit.
Fazit
Der Plot, die Ermittlerfigur, der zurückhaltende Humor des Autors, die Szene, in der Till Raether die Idee zu seinem Krimi entwickelte - in "Treibland" stimmt alles.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 25. Februar 2014

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