Florian Beckerhoff: Karl Konrads heimliches Afrika

Karl Konrads heimliches Afrika

Verlag: Econ Ullstein List Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-471-35045-4

Preis: 16,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 06. Dezember 2016]
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Karls Afrika ist nicht meins.

Karl Konrad lebt als pflichtbewußter, überaus kauziger, eigenbrötlerischer Sohn in einem kleinen, verschlafenen, ziemlich stumpfsinnigen Dorf im Osten Deutschlands und pflegt dort seine bettlägerige Mutter, da Vater und Bruder frei von jeglicher Bürde als Auswanderer nach Afrika gegangen sind. Wenn man es recht betrachtet, ist das Dörfchen nicht nur verschlafen und stumpfsinnig sondern liegt es eigentlich in den letzten Zügen, von nahezu allen Einwohnern verlassen, mit einer Kneipe, einem Gemischtwarenmarkt, der Metzgerei und der Kirche, der es an Besuchern mangelt. Elke, die blonde Metzgereiangestellte, ihres Zeichens Dorfschönheit(da konkurrenzlos) und Fleischereifachverkäuferin ist die Hauptattraktion der Gemeinde und damit Ziel ihrer begehrlichen Gedanken - und von seiten ihres Chefs auch unmißverständlicher Angebote, denen sie sich verschließt, weil in ihrem Inneren ein anderes Mannesbild existiert. So läuft denn alles seinen gewohnten, trotteligen Gang, bis eines Tages Hubertus, der Postbote, eine Karte aus Afrika bringt, auf der Karls Bruder von seinem Leben auf diesem Kontinent schwärmte und seinen Besuch ankündigt. Konrads Welt gerät aus den Fugen, seine lange in ihm verborgen gebliebenen Träume drängen an die Oberfläche und lassen die schwindelerregende Idee aufkommen, sich ein eigenes Afrika zu erbauen, nicht weit entfernt, gleich hinterm Waldrand, eine eigene exotische Welt. Die gerade herrschende Hitzeperiode scheint die richtige Geburtsstunde zu sein. So fügt es sich ebenfalls passend, dass die Schwarzafrikaner Ephraim und Alfred dazustossen, ausgemusterte Zebras und Esmeralda, die Flusspferddame, übernommen werden können und samt Karls umgesiedelten Häuschen eine neue Heimat am Seeufer finden. Jeder übernimmt eine Rolle auf dem neuentstandenen Kontinent, selbst Konrads bettlägerige Mutter hütet unter ihrer Decke ein paar mutterlose Straußeneier bis zum freudigen Tag des Schlüpfens. Wie Eines das Andere nach sich zieht, so bewirkt auch diese Schöpfung Veränderungen bei den beteiligten Menschen und den eingefahrenen Traditionen.Und ein afrikanisches Happy-End sieht eigentlich nicht anders aus als ein deutsches, oder?

Florian Beckerhoff hat ein eigenwilliges, schräges Buch geschrieben, in dem alle Charaktere überzeichnet und skuril dargestellt sind. Es ist eine besondere Art des Humors, deren er sich bedient und die nicht jedermanns Sache ist. Sein flüssiger, lockerer Schreibstil macht das Lesen leicht und schafft ein flottes Vorankommen in der Lekture. Schnell ist dem Leser klar, dass hier gewisse Parallelen zu bestimmten Lebenssituationen gezogen werden, dass in abstrusen Schilderungen Persiflagen auf den normalen Alltag verborgen sind und unter den simpel geglätteten Gegebenheiten sich doch so einige Probleme verstecken, die den Menschen zum Nachdenken über Themen verschiedenster Art zwingen. Es ist sicherlich für einen Teil der Leserschaft ein amusantes Unterfangen, die eingearbeitete Aktualität zur Gegenwart herauszufiltern, mir allerdings sagt dieser Umweg über die Karrikatur nicht zu, vor allem dann nicht, wenn sie sich gewollt simpel und in sparsamstem Wortreichtum ausdrückt. Das Werk ist mir zu wirklichkeitsfremd um Realität zu vermitteln, aber zu wenig liebenswert, um in die Katagorie der Märchen zu passen.

Wie ich anfänglich schon sagte: Karl Konrads Afrika ist nicht meins. Leider.
Fazit
Wie schon gesagt hat Florian Beckerhoff hier sicherlich unterhaltsamen Lesestoff geschaffen, wenn man eine Vorliebe fürs Überzeichnete und Schräge hat. Was mich hier am meisten gestört hat, ist die teilweise einfältige Darstellung des menschlichen Verhaltens basierend auf deren ebenbürtig simplen Gedankengängen. Insgesamt eine Lektüre, die aber absolut ihren Unterhaltungswert hat, wenn man ihrer Botschaft folgen mag.
3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne

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Vorgeschlagen von brillenbaby [Profil]
veröffentlicht am 11. August 2012

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