Flavia Company: Die Insel der letzten Wahrheit

Die Insel der letzten Wahrheit

Verlag: Berlin Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-8270-0988-3

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Gegeneinander Überleben

Nur knapp 130 Seiten umfasst dieses schmale Buch, Seiten, die nur auf den ersten Blick das altbackene Thema eines Schiffbrüchigen auf einer einsamen Insel aufwärmen, die sich aber auf den zweiten Blick als ein intensives und dichtes Psychogramm zweier Männer herauskristallisieren, die in wunderbarem Stil niedergeschrieben sind und am Ende mit einer faustdicken Überraschung aufwarten.

Matthew Prendel ist wieder da. Fünf Jahre war er verschollen und nun ist er wieder, allerdings nur rein körperlich, wieder Teil der Gesellschaft. Verändert hat er sich, stark. Vermögend plötzlich, das zum einen, aber vor allem irgendwie innerlich nie ganz anwesend, wie über den Dingen, den Menschen schwebend.

Sein Segelboot wurde zu Zeiten von Piraten aufgebracht, seine Begleiter sind nie wieder aufgetaucht, auf einer Insel soll er ausgeharrt haben. Phoebe, durch deren Augen Flavia Company die Geschichte erzählt, erobert diesen Mann für sich und wird am Ende seines eher kurzen Lebens die ganze Geschichte aus seinem eigenen Mund erfahren. Wie er nach dem Überfall auf einer Insel strandete, gerettet von einem der Männer, der Teil der Piratengruppe war und nun ebenfalls mit Prendel auf der Insel gestrandet ist, der aber, im Gegensatz zu Prendel, damit ein ganz konkretes Ziel verfolgt. Ein Ziel, zu dessen Erreichung Prendel durchaus eine Rolle spielen soll. Prendel, der als Freidenker der Maxime folgte, dass "wir alle jemand in uns tragen, der aus dem Alltagstrott ausbrechen will, jemand, der sich beweisen will, dass wir einzigartig sind", und der nun in einer Art und Weise aus seinem freiheitsliebenden und segelndem Alltagstrott herausgenommen wird, die ihn an die Grenzen seiner Belastbarkeit und seines Verstandes führt. Wird sich herausstellen, dass er wirklich "besser ist als seine äußere Hülle"?

Eine intensive Geschichte ist es, die Flavia Company erzählt. Weniger das Leben als moderner Robinson steht dabei im Mittelpunkt ihrer Darstellungen, sondern die inneren Abläufe, Kämpfe gegen sich selbst, Auseinandersetzungen mit dem Piraten Nelson Souza, das Misstrauen, die Finten, die Gewalt gegeneinander und das, was am Ende des Tages übrig bleiben wird. Ein innere Weg, der zu tiefen Erkenntnissen über sich selbst führen wird. Darüber, was das Leben wirklich ausmacht, ob es tatsächlich nur der immerwährend fast gleiche "Ablauf äußerer Ereignisse" ist. Ebenso werden nach der Rettung aus der Notlage Wahrheiten weiter im Raume stehen. Vor allem dies eine, dass der Körper zwar wieder in der alten Umgebung sich befindet, die Zivilisation einen wieder hat, doch die Seele auf immer schiffbrüchig bleiben wird. Warum das gerade und ganz besonders auf diesen Matthew Prendel zutrifft, das hat Gründe und die finden sich atmosphärisch dicht geschildert im Buch.
Fazit
Eine wunderbar erzählte Charakterstudie und Entwicklungsgeschichte ist es, die Flavia Company in ihrem schmalen Buch unprätentiös zu gestalten versteht mit einer Vielzahl von Textstellen und einfachen Sätzen wahrhaftiger Erkenntnis, die lange nachhallen werden.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 04. April 2011

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