Ben Kay: Das Nest

Das Nest

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-499-25529-8

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
MEROS nennt sich das Geheimprojekt, das im Dschungel Venezuelas riesige gentechnisch veränderte Wespen erzeugt, mit denen die USA gezielt Terrorzellen vernichten wollen. MEROS war ursprünglich ein NATO-Projekt und wird nun von den USA allein fortgeführt. Die Riesenwespen sollten angeblich zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden, doch inzwischen dienen sie zur gezielten Auslöschung kleinerer Menschengruppen. Die gelbschwarzen Geheimwaffen töten z. B. in den Bergen Afghanistans blitzschnell und hinterlassen einen Berg sauber abgenagter Knochen. Da dass Projekt noch nicht ganz ausgereift ist, muss nach getaner Arbeit der Kampfplatz selbst vernichtet und die Viecher mit ihren handtellergroßen Flügeln müssen mit konventionellen Waffen vernichtet werden.

In der Forschungsbasis ist offensichtlich etwas aus dem Ruder gelaufen; denn der Geheimdienst-Angehörige Steven Bishop soll möglichst sofort eine Insektenkundlerin für MEROS beschaffen. Bishop fackelt nicht lange, entführt vorab schon einmal den Sohn der Entomologin Dr. Laura Trent, ehe er sie selbst vor vollendete Tatsachen stellt. Das Bein einer Wespe, das als Anschauungobjekt für Trent auf dem Weg nach Venezuela bei einem Zwischenstopp im Nordosten Afghanistans geborgen wird, lässt ein Insekt von mindestens Rattengröße vermuten.

In der Forschungsstation treffen wir David Vann Arenn und Sadie Garrett, als Beispiele "gefallener Teenager", für die die Armee eine letzte Rettung aus unübersichtlichen Lebensverhältnissen bedeutet. Im Sinne optimaler Geheimhaltung wird die Station mit nur wenigen Mitarbeitern betrieben. Vor der Mannschaft wird sorgsam geheimgehalten, dass David Heath, der Forschungleiter, in seinem Arbeitszimmer ums Leben gekommen ist und sich seitdem niemand dort hinein getraut hat. Welche Eigenschaften David seinen Tieren genau angezüchtet hat, könnte Laura aus seinen Aufzeichnungen erfahren - wenn es ihr gelingen sollte, Davids Papiere aus seinem Arbeitszimmer zu beschaffen, in dem noch immer der Wespenschwarm haust, der David tötete. Die genetische Entomologin aus London soll die Vernichtung von Davids Wespen organisieren und seine Nachfolgerin bei MEROS werden.

Die Menschen haben die Kontrolle über die Forschungs-Station verloren. Zwar exisitert ein Rettungsplan für Notfälle; die Kühlung der gesamten Station zur Ruhigstellung der Riesenwespen würde allerdings die in der Station eingeschlossenen Mitarbeiter das Leben kosten. Eine Rettungsaktion könnte daran scheitern, dass die Befehlskette bei MEROS zwischen Soldaten und zivilen Mitarbeitern mehr als undurchsichtig wirkt und Bishops Position in der Hierarchie der Forschungsstation nur anerkannt wird, solange die Mannschaft an ihn glaubt und ihn stützt.

Um den Showdown Rieseninsekten kontra Menschen noch ein wenig hinauszuzögern, fällt der Mannschaft ein, dass es einen Gebäudeteil gibt, der vor Jahren schlicht verrammelt und vergessen wurde, als schon einmal ein Experiment aus dem Ruder lief. Es kommt zu einem abenteuerlichen Kampf gegen die Monster-Wespen, bei dem sich die Zivilisten in einem für alle feindlichen Biotop nicht nur als Klotz am Bein der Soldaten erweisen.
Fazit
Als begeisterter Leserin von Werbers Ameisen, die einem zeitweise die Haare zu Berge stehen lassen, war ich von Kays Darstellung der gentechnisch veränderten Wespen als wenig intelligente, grausame Tötungsmaschinen ziemlich enttäuscht. Mir fehlte zum Thriller eine Prise Science, eine genauer recherchierte wissenschaftliche Grundlage der Ereignisse. Offenbar hatte David seinen Riesen-Insekten ihr charakteristisches Schwarmverhalten so weit abgezüchtet, dass sie allein eine Rolle als Tötungsautomaten spielen dürfen. Zur Lösung des Wespenproblems stehen aus militärischer Sicht nur die krachledernen, wenig intelligenten Methoden zur Verfügung, die Station komplett platt zu machen oder die Wespen einzeln per Kalaschnikow abzuknallen. Auch habe ich mich gefragt, wozu Laura Trent in Venezuela gebraucht wird, außer dass sie in ihrer Rolle als Mutter, die wie eine Löwin um ihr Kind kämpft, weitere Verwirrung bei der opferreichen Verfolgunsjagd zwischen Menschen und Wespen stiftet. Der Thriller liest sich durchaus spannend und könnte als Seitenhieb auf simpel gestrickte US-Militärs als Sand im Getriebe der Forschung betrachtet werden - oder auf eine Forschung, die mit mäßigen wissenschaftlichen Kompetenzen militärische Projekte scheitern lässt.
6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne6 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 01. Januar 2011

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