Luo Lingyuan: Wie eine Chinesin schwanger wird

Wie eine Chinesin schwanger wird

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-423-24744-3

Preis: 1,45 Euro bei Amazon.de [Stand: 01. Oktober 2016]
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Tingyi ist mit Robert nach Kanton gekommen, um ihren langjährigen deutschen Lebensgefährten ihrer Familie vorzustellen. Wenn Tingyis Eltern versuchen, das Wort Robert auszusprechen, klingt es wie Luobutou, das chinesische Wort für Rettichkopf. Mutter Li Hong ist ständig besorgt, dass die Kinder nicht genug essen könnten; Vater Sui Kang findet, dass es für seine Tochter mit 32 Jahren nun Zeit sei, endlich schwanger zu werden. Die noch nicht eingetretene Schwangerschaft wird den gesamten China-Besuch des Paares überschatten. Vom peinlichen Verhör der Noch-Nicht-Großeltern bis zur ungefragten Empfehlung chinesischer Kräuterrezepturen zieht Sui Kang alle Register eines besorgten Vaters. Wie gut, dass Robert den Gesprächen über die Vielzahl geplanter abergläubischer Rituale nicht folgen kann. Roberts Besuch, das chinesische Neujahrsfest im Februar des Jahres und der Geburtstag des Vaters Sui Kang bieten die willkommene Gelegenheit, eine Reihe rauschender Familienfeiern zu begehen. Nur von kurzen Sightseeing-Touren unterbrochen wälzt sich Tingyis Familie von einem Bankett zum Nächsten.

Es wird höchste Zeit, dass Robert während der Feierlichkeiten in die Verpflichtung chinesischer Kinder gegenüber ihren Eltern und die Rituale von Geldgeschenken eingeweiht wird. Der chinesische Familiensinn, der von Robert erwartet wird, bleibt ihm jedoch trotz aller Bemühungen Tingyis ein Buch mit sieben Siegeln. Tingyis Kinderwunsch und die von ihr erwartete Dankbarkeit ihren Eltern gegenüber überlagern sich in konfliktträchtiger Weise. Kein Wunder, dass hohe Erwartungen und die erzwungene Nähe schließlich in einen grotesken Familienstreit münden. Robert, der mit mittlerweile 35 Jahren eigene Vorstellungen von Familie vertreten können sollte, wagt nicht, zum Thema Kind seine Meinung vorzubringen und heiratet schließlich Tingyi samt Familien-Clan und dessen abergläubischen Vorstellungen zum Thema Kinderkriegen.

Luo Lingyuan lässt ihre Hauptfigur Tingyi, die in Deutschland längst eine selbstbewusste, erfolgreiche Fotografin ist, in ihrer Heimatstadt wieder in die Rolle der gehorsamen Tochter zurückfallen. Eigene Vorstellungen von ihrer Zukunft als werdenden Eltern scheint das Paar nicht zu entwickeln. Liebe, Verliebtheit, eine Beziehung als langfristige Investition und der von den Eltern vehement vertretene Wunsch nach einem weiteren Enkelkind verschwimmen. Interessant fand ich die Veränderung, die mit Tingyi jedes Mal stattfindet, wenn sie als Managerin ihres Mannes auftritt, der an der Universität Kanton einen Vortrag halten soll. In diesen Momenten wird ein für deutsche Leser ungewohntes Verständnis chinesischer Frauen von einer Ehe als gemeinsames Projekt deutlich, an dem Robert vermutlich zukünftig noch zu knacken haben wird.
Fazit
Roberts Antrittsbesuch bei seinen zukünftigen Schwiegereltern in China (der Roman spielt kurz vor Beginn der Olympischen Spiele 2008) vermittelt die unterschiedlichsten Facetten einer deutsch-chinesischen Partnerschaft. Obwohl die Verknüpfung der teils aufregenden Erlebnisse des jungen Paare nicht immer überzeugen kann, gibt die chinesische Autorin deutschen Lesern mit ihrem Roman auf humorvolle Art Einblick in die chinesische Mentalität.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 01. Oktober 2009

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