Anne Holt: Der norwegische Gast

Der norwegische Gast

Verlag: Piper Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-492-25718-3

Preis: 9,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 05. Dezember 2016]
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Hanne Wilhelmsen ist wieder da - und gerät gleich in einen neuen Fall. Ihr Zug ist auf der Strecke von Oslo nach Bergen in einer Schneewehe entgleist. Die 269 Passagiere werden in einem Hotel untergebracht, das in dem einsamen Bergdorf Finse - dem höchstgelegenen Bahnhof in Norwegen, 1222 Meter über dem Meer - liegt.
Aber die Passagiere und die ehemalige Kommissarin sind nicht nur wegen des Schneesturms und der sich aus der "Gefangenschaft" in dem Hotel ergebenden klaustrophobische Atmosphäre irritiert, sondern auch dadurch, dass sämtliche Ausgänge bewacht werden. Irgend etwas stimmt hier nicht. Und irgend jemand scheint im Zug gesessen zu haben, der besonders geschützt werden muss. Es werden Vermutungen laut: Handelt es sich um ein Mitglied der norwegischen Königsfamilie oder gar um einen ausländischen Terroristen?
Dann geschieht ein Mord: Ein populärer Fernsehprediger wird erschossen und als die Exkommissarin glaubt, einen Zeugen gefunden zu haben, wird auch dieser ermordet.
Hanne Wilhemsen, die auch schon in den anderen Krimis von Anne Holt sehr eigenwillig agierte und sich Mitmenschen gegenüber stets abweisend wirkte, verhält sich nun noch extremer. Wer den Roman "Die Wahrheit dahinter" gelesen hat, weiß es: Die Ex-Kommissarin wurde angeschossen - und in diesem Buch erfährt man nun auch, dass sie seitdem querschnittgelähmt ist. Zur körperlichen Untätigkeit verdammt, beobachtet und analysiert sie aus dieser sitzenden Haltung heraus, was um sie herum geschieht. In vielen kurzen Sätzen schildert Anne Holt die Befindlichkeit ihrer Protagonistin. So heißt es beispielsweise auf nur einer einzigen Doppelseite:

"Ich interessiere mich für Menschen, aber ich will nicht, dass Menschen sich für mich interessieren."
"Ich fühlte mich wohl, so ganz für mich allein."
"Ich hörte mir an, was die Leute so redeten."
"Ich war aufrichtig erleichtert, als die Damen in Honefoss ausstiegen."
"Ich hatte mich zu früh gefreut."

Im weiteren Verlauf des Romans macht Hanne Wilhelmsen im klassischen Sinne eine Entwicklung durch: Ihre Schroffheit wandelt sich mehr und mehr in ein zaghaftes Verständnis für einige andere Mitreisende.
Anne Holt ist eine sehr genaue Beobachterin menschlicher Stärken und Schwächen, die psychologische Ausgestaltung ihrer Figuren zeichnet sich durch Realitätsnähe, Verständnis und Feingefühl aus.
Fazit
Genau aus diesen Gründen ist der Roman lesenswert, ansonsten ist mir der Plot - inklusive der altbewährten Rezeptur des Einschließens mehrer Menschen unter einem Dach - ein wenig zu vertraut. Auch die zögerliche Entwicklung der Story sowie der bedächtige Duktus haben mich ein wenig irritiert. Zum Schluss muss ich gestehen, dass ich nicht herausgefunden habe, wer denn nun der - schutzwürdige - "norwegische Gast" sein soll...
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne
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Vorgeschlagen von Heide John [Profil]
veröffentlicht am 23. September 2009

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