Anna Enquist: Letzte Reise

Letzte Reise

Verlag: BTB [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-442-73776-5

Preis: 9,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 04. Dezember 2016]
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Immer wenn Elisabeth Cook ein Kind zur Welt brachte, war ihr Mann gerade auf See. Als Ehefrau des berühmten Entdeckers James Cook (1728 bis 1779) musste sie nicht - wie viele Frauen ihrer Zeit - mit für das finanzielle Überleben ihrer Familie sorgen, doch die Sorgen um die sichere Rückkehr ihres Mannes, die Verantwortung für Kinder, Haus und Garten lasteten allein auf ihr. "Ich erzähle nie, was mich wirklich beschäftigt" sagt Elisabeth Cook (1741 bis 1835) über sich selbst. Der Platz einer Frau war damals im Haus. Frauen hatten eine niedrige Lebenserwartung; denn das Risiko bei einer der vielen Geburten im Kindbett zu sterben, war hoch. Anna Enquist zeigt in ihrer Romanbiografie Elisabeth Cook als fürsorgliche Mutter, die den frühen Tod ihrer kleinen Tochter niemals verwinden würde. Elisabeth nimmt stets Anteil an den Entdeckungen und Plänen ihres Mannes, sorgt sich um sein Ansehen und unterstützt ihn nach Möglichkeit beim Verfassen seiner Bücher und Vorträge. In der Ehe der Cooks wechseln Nähe und Fremdheit, Hoffnung und Enttäuschung. Wie Annas Einfühlung in ihre Söhne auf den patriarchalischen, unnachgiebigen Herr-im-Haus-Standpunkt ihres Mannes trifft, beschreibt Anna Enquist in sensibler Sprache.

Im Jahr 1775, als wir Anna Cook im Roman begegnen, hätte James Cook sich entscheiden können, mit Rücksicht auf seine Familie eine Aufgabe an Land zu übernehmen. Er entschied sich gegen diese Option und rüstete Schiffe für die Suche nach der Nordwestpassage aus. Auf dieser dritten Entdeckungs-Reise wurde Cook 1779 getötet. Anna hat immer damit gelebt, dass Briefe ihres Mannes Wochen oder Monate lang unterwegs waren, dass beim Eintreffen einer Nachricht unklar blieb, ob der Absender noch lebte. Diese Verzögerung wird auch Elisabeths Auseinandersetzung mit dem Tod ihres Mannes bestimmen, sie wird im Roman nur schrittweise erfahren, was geschah und welche Entscheidungen zum Scheitern von Cooks letzter Reise führten.
Fazit
Anna Enquists Verknüpfung privater, unspektakulärer Erlebnisse mit Ereignissen der Weltgeschichte fügt sich zu einem lange nachwirkenden, psychologisch ausgereiften Frauen-Portrait der vorviktorianischen Zeit. Die Autorin lässt den berühmten Entdecker Cook die Folgen seiner Entdeckungen bemerkenswert kritisch reflektieren und sogar überlegen, welche Erlebnisse seiner Frau, seinen Kindern und auch dem Publikum seiner Vorträge überhaupt zuzumuten sind. Auch wenn sich die Frage aufdrängt, ob Enquist ihre Hauptfigur konsequent als Frau des 18. Jahrhunderts schildert, legt die niederländische Psychoananlytikerin mit "Letzte Reise" ein fesselndes, feinfühlig formuliertes und übersetztes Frauen-Portrait vor.
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 05. November 2008

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