Professor Sander lebt im Altenheim Haus Ulmen. Dass Lili seine Enkeltochter ist
und nicht seine Ehefrau, bringt er schon manchmal durcheinander. Der alte Herr
ist emsig mit einer wissenschaftlichen Tätigkeit beschäftigt, deren Sinn nur er
allein erkennen kann. "Ich sollte wieder an die Arbeit" teilt er
seinem Sohn Ernst mit, der ihn jeden Dienstag besuchen kommt. Sander ist an
Demenz erkrankt; er wiederholt Sätze aus seiner Vergangenheit, versteht jedoch
ihren Inhalt nicht mehr. Der Patient erkennt selbst, dass seine Gedanken und
seine Worte ihm zu schnell verloren gehen, als dass er noch Kontakt zu anderen
Menschen finden könnte. Sein Sohn Ernst Sander ist getrennt lebender Vater, der
um ein sachliches Verhältnis zu seiner Ex-Partnerin bemüht ist, damit er den
Kontakt zu seinem Kind nicht gefährdet. Sein Leben besteht aus Pflicht-Besuchen
beim pflegebedürftigen Vater und den regelmäßigen "Übergaben" seiner
Tochter Lili zwischen Vater und Mutter.
Immer wieder dienstags besucht auch Regina von Kanter ihre Mutter in Haus Ulmen. Frau von Kanter kann nicht mehr sprechen, doch ihr Denken hat unter ihrer Erkrankung kaum gelitten. Die alte Dame spürt deutlich, dass sie von ihrer Tochter und vom Pflegepersonal wie ein Kind behandelt wird. Wehren kann sie sich gegen die Behandlung nicht mehr. "Wir müssen uns einleben" sagt Regina Kanter zu ihrer Mutter. Die beurteilt ihre Lage derweil in Gedanken kritisch und sehr respektlos. Sander junior und Regina von Kanter lernen sich bei ihren wöchentlichen Besuchen kennen. Ihre Situation ist vergleichbar: die pflegebedürftigen Eltern sind zu Kindern geworden; ihr Zustand wird sich nicht mehr verbessern. Reginas und Peters gemeinsames Thema ist das Altern. Bei den wöchentlichen Pflichtbesuchen fragen sich beide, ob ihre Eltern sie überhaupt noch erkennen. Unter den wachsamen Augen des "Empfangskomitees" im Altenheim wächst die Beziehung zwischen Ernst und Regina. Ihre Flucht aus der Rolle als Angehörige pflegebedürftiger Eltern endet in der Sprachlosigkeit eines gemeinsamen Urlaubs. Die Alten sollen "nicht mit am Tisch sitzen", hatten sie sich vorgenommen. Doch welches Gesprächsthema bleibt, wenn Regina und Peter nicht über ihre Eltern sprechen? Sander junior und senior, Frau von Kanter und Tochter Regina stehen im Mittelpunkt von Annette Pehnts Erzählung. Doch auch Frau Hint spielt eine wichtige Rolle. Sie hat ihr Leben ohne Angehörige verbracht und entdeckt im Alter ihre Fürsorglichkeit für Herrn Lukan. Der Pfleger Maik betrachtet seinen Arbeitsplatz von einer Bank aus und hängt seinen Gedanken über die alten Menschen nach. Die Heimleitung bleibt die Heimleitung, ohne dass die Leser erfahren, mit wem diese Rolle besetzt ist. Fazit
Annette Pehnt skizziert in knapper Sprache die Innenwelt dementer und
pflegebedürftiger Menschen. Die Gedanken ihrer Figuren sind lebendiger als die
Reduzierung ihres Lebens auf "Füttern und Wickeln" ahnen lässt. Die
Innenwelt ihrer Altenheimbewohner und die der jungen Generation beschreibt Pehnt
mit solch beklemmender Treffsicherheit; dass Urteile über Stil und Handlung zur
Nebensache werden.
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