Gerhard Besier, Theologe, Historiker und Diplom-Psychologe ist Direktor des
Hannah Arendt Instituts für Totalitarismusforschung an der TU Dresden. Er hat
ein umfangreiches Buch vorgelegt, welches die Diktaturen in Europa im 20.
Jahrhunderts mit den Methoden des modernen Diktaturvergleiches untersucht. Es
werden nicht nur - wie in einer Untersuchung von Richard Overy: "Die
Diktatoren" Drittes Reich und stalinistische Sowjetunion untersucht,
sondern alle Diktaturen - also auch autoritäre Diktaturen des 20. Jahrhunderts
werden miteinander verglichen. Dabei hält der Autor an der - zeitweise heftig
umstrittenen - Totalitarismustheorie von C.J. Friedrich, die er würdigt, fest.
Das Buch berücksichtigt - und darin liegt seine Stärke - die modernen Forschungsergebnisse der Transitionsforschung, wie sie etwa Wolfgang Merkel, der den Begriff der "Defekten Demokratie" in die Debatte eingeführt hat oder auch Detlef Schmiechen-Ackermann: "Diktaturen im Vergleich" getan haben. Die genannten Publikationen werden in dem äußerst umfangreichen - wenn auch etwas unübersichtlichen - Literaturverzeichnis am Ende aufgeführt. Doch das Buch bietet noch mehr. Ähnlich wie die Publikation von Schmiechen-Ackermann bietet es - insbesondere im Abschlusskapitel - einen Forschungsbericht zum Thema "Moderne Diktaturen" und enthält auch Dimensionen des historischen Vergleiches sowie - in anlehnung an Wolfgang Merkels Werk: "Totalitäre Regime" eine Typologie politischer Regime. Ereignisgeschichte und Strukturgeschichte werden gleichermaßen berücksichtigt. Mir ist anhand dieses Werkes klargeworden, dass Erklärungsversuche der modernen Diktaturen - gerade in Europa - nur noch über vergleichende Länderstudien erreicht werden können und Untersuchungen, die sich lediglich auf die Entwicklung eines Landes (Deutschland, Italien) beschränken oder lediglich zwei Diktaturen eines Types miteinander vergleichen, nicht länger ausreichen, um befriedigende Antworten über Strukturen und Typologien politischer Diktaturen zu erhalten. So hatten ja bereits Ernst Nolte und Wolfgang Wippermann in den 1960-ger bzw. 1980-ger Jahren faschistische Regime miteinander verglichen und es gibt natürlich auch Untersuchungen, die das nationalsozialistische Deutschland und das stalinistische Rußland miteinander in Beziehung setzen, wie die oben erwähnte Studie von Richard Overy. Es fehlte bislang meines Wissens jedoch eine umfassende Untersuchung aller europäischen Diktaturen des 20. Jahrhunderts. Dass dies nun mit diesem Werk erfolgt und die Geschichte jeder einzelnen Diktatur verständlich dargestellt worden ist, darin liegt meines Erachtens die grundlegende Forschungsleistung dieses Buches. Fazit
Ich denke, es wird lange Zeit das Standardwerk zu diesem Thema bleiben.
Im Namen der Freiheit: Die amerikanische Mission von Gerhard Besier, Gerhard Lindemann weitere Rezension zu diesem Buch schreiben Rezension als PDF-Datei speichern Direkt verlinken: http://www.buchtips.net/rez2384.htm Vorgeschlagen von Bernhard Nowak
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