Sylvia Schneider: Goldgrube Gynäkologie. Das große Geschäft mit der Angst der Frauen

Goldgrube Gynäkologie. Das große Geschäft mit der Angst der Frauen

Verlag: Verlag Carl Ueberreuter [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-8000-7020-6

Preis: 0,97 Euro bei Amazon.de [Stand: 29. September 2016]
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Gynäkologen informieren ihre Patientinnen nur unvollständig über Schaden und Nutzen bestimmter Therapien findet Sylvia Schneider. Wie die Interessen der Pharmaindustrie, der Verbandsfunktionäre und der behandelnden Ärzte miteinander verknüpft sind, ist für die mündige Patientin auf Informationssuche zunächst undurchschaubar.

Für die Bereiche Menstruation, Wechseljahre, unerfüllter Kinderwunsch und Anti-Aging hat die engagierte Journalistin Fehlinformationen untersucht, die von Gynäkologen und Medien verbreitet werden. Sie kritisiert, dass die Angst der Frauen vor schweren Erkrankungen ausgenutzt wird, um ihnen fragwürdige IGEL-Leistungen aufzuschwatzen. Aus "Individuellen Gesundheitsleistungen" für Selbstzahler wird in Schneiders Kritik "irgendwie Geld einbringende Leistung", die einzig dazu dient, die Patientin regelmäßig in die Praxis zu bestellen. In einigen Gynäkologen-Praxen scheinen inzwischen Life-Style-Medizin, Schönheit und Ernährungsberatung wichtiger zu sein als tatsächliche Erkrankungen.

Die Autorin kann keinen Sinn darin sehen, beschwerdefreie Teenager regelmäßig zu untersuchen, deren Mütter aus eigener Erfahrung zwischen normalen und kranken Vorgängen differenzieren können sollten. Sie fragt, warum die weibliche Menstruation in jungen Jahren negativ und behandlungsbedürftig sein soll, und im Klimakterium dann plötzlich ihr Ausbleiben behandelt werden muss.
Durch die Vielfalt der Diagnose-Möglichkeiten würden steigende Zahlen von gesunde Schwangeren zu Risiko-Patientinnen erklärt. Wer Schneiders Infos über PID (Prä-Implatations-Diagnostik) gelesen hat, wird nicht mehr glauben, dass in der Kinderwunsch-Behandlung alles machbar ist. Auch zur Brustkrebs-Vorsorge und Behandlung vertritt Schneider einen entschiedenen Standpunkt - stets auf der Seite der Patientinnen, stets kritisch gegenüber ärztlicher Standespolitik und der eigenen Kaste der Medizin-Journalisten.

Nachdem die Hormonersatz-Therapie gegen Beschwerden der Wechseljahre in die Kritik geraten ist, sind Nahrungsergänzungsmittel in Verkauf und Berichterstattung auf deren Platz nachgerückt. Schneider nimmt zu den bisher frei verkäuflichen pflanzlichen Mitteln Rotklee, Cimicifuga und zu Isoflavonen kritisch Stellung. Sie rät, sich genauestens mit Wirksamkeit und Wechselwirkungen zu beschäftigen, die teilweise noch unzureichend erforscht sind. Dann räumt sie mit der letzten verbliebenen Illusion auf: Auch Nahrungsergänzungsmittel können die innere Uhr im Alter nicht zurück stellen - erst recht nicht, wenn sie künstlich zugeführt werden.

Dass die grau hinterlegten längeren Zitate im Buch beinahe unleserlich sind, ist sicher nicht beabsichtigt.

Sylvia Schneider war Redakteurin des Ressorts "Wissenschaft und Medizin" bei diversen Medien. Sie hat über 80 Ratgeber verfasst (auch für Kinder- und Jugendliche) und ist Chefredakteurin der Zeitschrift "Gesundheit für Frauen".

Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 08. Februar 2006

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