Herfried Münkler: Imperien

Imperien

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Politik
ISBN-13 978-3-87134-509-8

Preis: 19,90 Euro bei Amazon.de [Stand: 01. Januar 1970]
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Herfried Münkler hat sich - in Anlehnung an Raymond Arons:"Die imperiale Republik", ein Titel, der im sonst umfangreichen Literaturverzeichnis leider nicht angeführt wird, tiefer mit der Frage, was Imperien sind, beschäftigt. Wodurch zeichnen sich Imperien aus? Welche Gefahren birgt eine imperiale Ordnung? Welche Chancen bietet sie? Das Buch ist sehr interessant geschrieben und kann in etwa mit Peter Benders Werk: "Weltmacht Amerika - das neue Rom" verglichen werden. Winkler unterscheidet die Begriffe "Hegemonie" und "Imperium", wobei er - zu Recht - diese Entscheidung "heikel" nennt. Aber für mich sind zwei Fragen offen geblieben: Sind die USA ein Imperium? Münkler spricht immer von der "imperialen Mission" der USA, wobei er auch alternative Traditionslinien der amerikanischen Politik aufzeigt. Er erklärt, es könne sein, dass das amerikanische Imperium nicht so sehr an seinen äußeren Feinden, sondern an der moralischen Überlastung durch seine Mission scheitert. Dies hätte ich dann doch gerne genauer ausgeführt. Außerdem geht mir Münkler zu wenig auf Theorien in den "Internationalen Beziehungen" ein. Der vielgescholtene (Neo-)Realismus, dem in Deutschland etwa der Politikwissenschaftler Werner Link, dessen Werke bedauerlicherweise nicht im Literaturverzeichnis zu finden sind, hat ganz klar erklärt, dass Macht(ausehnung) bislang immer in der Geschichte zu Gegenmacht führte. Diese theoretische Untermauerung mit politikwissenschaftlichen Theorien fehlt mir. Ich hätte mir auch bei der Frage, ob ein demokratisches Imperium möglich sei (S. 235 ff.) die Frage gewünscht, ob die USA in Wirklichkeit noch eine Demokratie oder nicht doch eine Oligarchie sind. Dies hätte natürlich bedeutet, sich mit der Theorie des "Demokratischen Friedens" stärker auseinanderzusetzen. Diese Frage hat Emmanuel Todd in seinem buch: "Weltmacht USA" thematisiert. Dessen - schwer zu widerlegendes - Fazit: Unter der Präsidentschaft von George W. Bush habe sich die USA in eine Oligarchie verwandelt, in der die Interessen der Ölindustrie den Ton angäben. Insofern könne die These des "demokratischen Friedens", die Michael Doyle und - in der deutschen Politikwissenschaft - Ernst Otto Czempiel entwickelt haben (Czempiel wird bedauerlicherweise im Literaturverzeichnis ebenfalls nur mit einem Werk zitiert)nicht durch die Politik der Regierung Bush widerlegt werden.
Außerdem hätte es sich angeboten, mehr über die Herausforderung durch die Weltmacht China zu hören. China und die USA werden - darüber sind sich Politikwissenschaftler einig - die großen Konkurrenten um die Weltherrschaft im 21. Jahrhundert werden. Helmut Schmidt hat etwa in seiner hervorragenden Publikation: "Die Mächte der Zukunft" (ebenfalls nicht im Literaturverzeichnis aufgeführt) darauf hingewiesen.
Fazit
Fazit: ein interessantes Werk des deutschen Politikwissenschaftlers, der den Begriff der "neuen Kriege" einer breiten Öffentlichkeit verdeutlicht hat, aber - leider - mit Lücken. Mir ist die Zielgruppe nicht ganz klar. Als populärwissenschaftliche Einführung ist das Buch ausgezeichnet - hierfür allerdings stellenweise zu komplex. Als politikwissenschaftliches Grundlagenwerk hat es Lücken - wie oben dargestellt. Dennoch eine insgesamt interessante Einführung in ein Forschungsgebiet, welches in der deutschen Politikwissenschaft meines Erachtens noch zu wenig Beachtung gefunden hat. Dass dies nicht so bleibt, dafür hat - neben Paul Kennedy mit seinem interessanten Werk: "Aufstieg und Fall der großen Mächte" vor allem Münkler mit seiner vorliegenden Publikation gesorgt. Dafür gebührt ihm Dank.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 22. August 2005

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