"Pflaume" nennen alle den neunjährigen Icare, jedenfalls alle außer
seiner Lehrerin. Pflaumes Mutter hat ein schlimmes Bein, trinkt den ganzen Tag
lang Bier, und redet statt mit ihrem Sohn nur mit dem Fernseher, der
ununterbrochen läuft. Eines Tages findet Pflaume beim Stöbern in einer Schublade
einen Revolver. Er spielt damit herum, ein Schuß löst sich, und seine Mutter ist
tot. Doch das ist keine Tragödie, sondern ganz im Gegenteil: der Polizist, der
sich seiner annimmt, wird sein Vertrauter, und das Heim, in das der Junge kommt,
entpuppt sich als idyllische Oase menschlicher Freundlichkeit. Alle anderen
Kinder werden seine Freunde, und er führt ein viel aufregenderes Leben als
zuvor. Und zum Schluß wird er auch noch vom netten Gendarmen adoptiert! Das
zuckersüße Waisenmärchen ist ganz nett zu lesen, doch die Lebensweisheiten, die
der neunjährige und seine Freunde nach dem Motto "Kindermund tut Wahrheit
kund" laufend von sich geben, gehen gegen Ende wirklich auf die Nerven.
Fazit
Nichts gegen Märchen - sie dürfen auch sehr weit hergeholt sein... Aber diese
Geschichte strotzt vor kitschigen und unhaltbaren Klischees - völlig daneben.
Einen Punkt gibt’s für die Schreibe.
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