Mathias Bröckers, Paul Schreyer: Wir sind immer die Guten

Wir sind immer die Guten

Verlag: Westend Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Politik
ISBN-13 978-3-86489-255-4

Preis: 18,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 22. Februar 2020]
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Sind wir wirklich (immer) die Guten? Das ist die zentrale politische Frage, der die Autoren mit ihrem jüngst erweiterten und neu aufgelegten Buch nachgehen möchten. Sie betrachten die Kehrseite einer medial inszenierten Medaille, bei der die Russen,und allem voran ihr Präsident Putin, stets die Bösen sind. Weil: wir sind ja die Guten...

Das Zentrum der Betrachtungen stellt der seit 2014 gärende Konflikt in der Ukraine dar. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erhielt die Ukraine ihre staatliche Souveränität, wie viele andere ehemalige Sowjetrepubliken auch. Ein kurzer Blick in die Historie der Ukraine zeigt, dass es zuvor selten einen eigenständigen Staat "Ukraine" gab. Der Konflikt wird sodann in den folgenden Kapiteln unter verschiedenen Aspekten in Betracht genommen: "Staatsstreich" durch eine Revolution mit dem Ergebnis: ein dem Westen wohlgesonnener Politiker kommt an die Macht. Die Machtbereiche des Westens, allen voran der USA, rücken somit noch näher an die Grenzen Russlands heran. Die Aktivitäten westliche Dienste im Hintergrund spielen hierbei eine bedeutende Rolle und werden als wesentlicher Faktor für den Konflikt zwischen West- und Ostukraine ausgemacht, ebenso wie die Annexion der Krim durch Russland. Um Wahrheit und Wertegefüge geht es daher nur vordergründig, in Wirklichkeit tobt ein Kampf um Macht und wirtschaftliche Interessen. Insbesondere die USA, und in deren Schlepptau die getreuen Staaten der EU, wollen ihren Einflussbereich vergrössern. Schließlich soll die Ukraine der NATO beitreten können, ebenso über kurz oder lang auch der Europäischen Union.

Den großen und einflussreichen Medien stellen die beiden Autoren an keiner Stelle des Buches ein gutes Zeugnis aus; zu einseitig ihre Berichterstattung, in der die Rollen eigentlich immer vorgegeben sind. Da wird dann konsequenterweise auch Partei ergriffen, wenn es um vermeintliche Verbrechen geht. Aber: wer trägt die Schuld am Abschuss des Fluges 17 der Malaysia-Airline oder wer verübte den Anschlag auf den Ex-Agenten Skripal und seine Tochter? Für die westlichen Staaten und die einflussreichen Medien keine Frage: Russland. Schlussendlich wird die Rolle der USA auf dem Weg zur Wahl Donald Trumps unter die Lupe genommen. Was ist dran am "Russiagate"?
Fazit
Das Anliegen des interessant geschriebenen und durch seinen leicht lesbaren Stil gut und rasch durchzuarbeitenden Buches darf als erfüllt angesehen werden: Wir müssen uns hinterfragen, ob wir stets auf der Seite des Guten stehen - besser vielleicht noch ausgedrückt: ob Russland stets die Inkarnation des Bösen darstellt, mit einem despotischen Präsidenten an der Spitze.

Die Argumentation der Autoren nimmt das Handeln der USA und der Westmächte in Bezug auf wichtige Machtfragen genau unter die Lupe und bewertet sie - zumeist eher negativ. Das Vorgehen Russlands unter der politischen Führung Putins bleibt bei den Betrachtungen allerdings zumeist unbewertet und wird nicht kommentiert. Russland kommt sozusagen eher indirekt vor: als Zielscheibe für die westlichen Staaten. Da fehlt es allerdings an Ausgewogenheit und so manche Argumentation wird dabei überstrapaziert und subjektiv zu Ungunsten der NATO-Staaten beschrieben.

Einem Gedanken möchte ich freilich Fall folgen: Europa und die Europäische Union müssen sich emanzipieren. Das transatlantische Bündnis erfüllt seinen Zweck, was jedoch nicht heißt, dass die Partner in unterschiedlichen Bereichen nicht auch unterschiedliche Ziele verfolgen. Das war schon bislang so und wird sich unter der Präsidentschaft Donald J. Trumps wohl kaum entschärfen.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von Dietmar Langusch [Profil]
veröffentlicht am 25. April 2019

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