Stefan Meining: Geheimakte Asyl

Geheimakte Asyl

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Politik
ISBN-13 978-3-423-26230-9

Preis: 16,90 Euro bei Amazon.de [Stand: 18. April 2019]
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Stefan Meining schreibt sein neues Buch zu einem höchst brisanten Thema, dem es an Aktualität nicht fehlt. Er beweist insofern auch Mut, dass er sich mit seinem Bericht gegen den "Mainstream" stellt: alles ist/wird gut - wir schaffen das! Die Gegenwart zeigt: wir haben es geschafft! Aber um welchen Preis? Inhaltlich arbeitet er die Geschichte des Jahres 2015, in dem mehr als 1,5 Millionen Flüchtlinge alleine nach Deutschland kamen und viele weitere Zuflucht in den Staaten der Europäischen Union suchten, auf. Der Blick wandert hierbei in Richtung der für die innere Sicherheit zuständigen Stellen, insbesondere dem BAMF und den Verfassungsschutz. Die Flut an Anträgen auf Asyl war mit den bislang gängigen Vorgehensweisen zur Bearbeitung nicht mehr zu bewältigen. So wurde der Bearbeitungsablauf auf "Befehl" politischer Mandatsträger verändert. Zu Gunsten hoher Bearbeitungszahlen - zu Ungunsten der Sicherheit. Dies macht der Autor an vielen Stellen auch anhand konkreter Beispiele deutlich. Seine Recherchen stützt er auf Interviews mit Insidern, die namentlich geheim bleiben und auf Kenntnisse von Belegen aus internen Akten der Sicherheitsbehörden.

So recht schien keiner zufrieden. Die Behörden hatten ihrem Staatsauftrag zu folgen, wobei der Dienstherr bestimmt, wie der konkretisiert wird. Diese Vorgaben wiederum sorgten für ein unwohles Gefühl bei vielen Mitarbeitern, besaßen sie doch Kenntnisse über Gefährdungshinweise und -lagen, die nach Außen nicht kommuniziert werden durften. Auch die Politik konnte sich nicht ausruhen. Das Tagesgeschehen überrollte viele Entscheidungsträger und die wachsende Terrorgefahr trug ihr Übriges dazu bei. Trotz bester Absicht Menschen in Not helfen zu wollen und zu müssen, ging die praktische Umsetzung dessen im Chaos unter und gefährdete aus Sicht des Autoren die Sicherheitslage in Deutschland massiv.
Fazit
Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht! Belege hierfür zeigt Stefan Meining in großer Zahl auf. Hierdurch entsteht ein düsteres Bild. Bislang haben wir in vielfacher Hinsicht wohl einfach Glück gehabt, dass Deutschland im Vergleich zu Nachbarländern eine eher geringe Zahl terroristisch motivierter Anschläge verzeichnen kann. In erster Linie waren wir das "Transitland", in dem Gefährder und Täter gefahrlos reisen und sich aufhalten konnten. Warum, beklagt der Autor, wurde die Öffentlichkeit über die tatsächliche Lage so lange im Unklaren gelassen? Hierzu ein Zitat (S. 181): "Gegenüber der Öffentlichkeit wird diese weitaus vorsichtigere und vermutlich ehrlichere Lagebeschreibung von der Bundesregierung nicht offensiv vertreten. Warum eigentlich? Die Gefahren liegen im Herbst 2015 ja auf der Hand. Doch für die Bundesregierung gibt es den mündigen Bürger, der sich selbst eine eigene Meinung bilden und der auch mit Risiken leben kann, anscheinend nicht...."

Eine rhetorische Frage? Als erfahrener Journalist kann er sie zweifelsfrei selbst beantworten. Appelle an mündige Bürger werden all zu oft medial zerpflückt und steigern damit vor allem eines: Unsicherheit und zudem Angst! Zurecht?! Das ist Realität und eben die eine Seite der Medaille. Stefan Meining betrachtet die andere Seite. Gut recherchiert, interessant geschrieben und mit der notwendigen Distanz nach rechts-außen. Es sind zwei Seiten ein und der selben Medaille; oft wollen die gar nicht zueinander passen (und auch nicht zusammen gehören). Dennoch - oder eben gerade deshalb - lohnt sich dieser Blick, nicht zuletzt um eigene Positionen zu finden. Das Buch leistet hierzu einen lesenswerten Beitrag!
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Vorgeschlagen von Dietmar Langusch [Profil]
veröffentlicht am 11. April 2019

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