Christian Schön: Die Sprache der Zeichen

Die Sprache der Zeichen

Verlag: J.B. Metzler Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-476-02663-7

Preis: 24,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 04. Dezember 2016]
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In Teilen auch verwirrend

Einen Bezug zu Blumenbergs Werk "Die Lesbarkeit der Welt" stellt Christian Schön schon zu Anfang seiner Darlegungen her und stellt damit auch die Grundfrage in den Raum, um die sich dieses Buch dreht. "Wie schaffen wir es, innerhalb einer sehr begrenzten Lebenszeit die Lesbarkeit einer Welt zu erhalten, die immer komplizierter wird und in der sich dem Menschen immer entferntere Lebensräume erschließen"? Nur, indem die Metaphern, die Symbole und Zeichen in ihrer Deutung klar bleiben.

Was ein fast unmögliches Anliegen ist ob der Vielzahl der Zeichen und deren wechselhafter Bedeutungen und was auch in dieser sehr kompakten Form, in der Schön der "Welt der Zeichen" nachgeht, nicht einfach zu verstehen ist. Mehrfaches, konzentriertes Lesen ist notwendig, um den teils komplexen Sätzen und Sachverhalten einigermaßen folgen zu können. Auch wenn durchgehend Illustrationen vorliegen und regelmäßig Kerninhalte in grafisch abgesetzter Form zusammengefasst werden, schon beim Überblick der Zeichenmodelle (monadisch, dynadisch, triadisch und Modelle mit mehr als drei Elementen) ist es nicht ohne Mühe, den abstrakten Definitionen einigermaßen mit Verständnis zu folgen.

Klar wird, dass neben der "Handlung" oder der "Nutzung eines Zeichens" (z.B. der Händedruck) es ein vielfaches, meist unbewusst ablaufendes Erleben des "Empfängers" benötigt, um das jeweilige Zeichen im Kontext so zu deuten, dass die Absichten des "Senders" klar erfasst werden. Bis hin zu ganzen "Codes", die "Summe aller Regeln", die das Gesamte des Ausdrucks ausmacht und die der Empfänger kennen muss, um die darin enthaltenen, verschiedenen sprachlichen und bildlichen (z.B. Dresscode) Zeichen zu verstehen. Um die Kernbedeutung von Zeichen zu erfassen, die "Vermittlung von Bedeutungen". Daher ist es angemessen, wenn auch, wie erwähnt, teilweise nicht einfach zu verstehen und hier und da zunächst verwirrend, dass Schön tief in den Bereich der Sprachtheorie und Kommunikationstheorie vordringt und so, u.a., den Weg "vom Laut zur Sprache" ausführlich erläutert.

Allerdings bleibt es im Buch in Teilen nicht aus, dass der Eindruck eines "hin- und her Springens" entsteht. Von der Theorie der Lautbildung zu den Streifen des Zebras und "Zeichnungen" in der Natur, von Teilen der Esskultur (das Zeichen des Legens des Bestecks) bis hin zum Eifelturm als Symbol für Fortschritt, aber auch Wahrzeichen einer Stadt oder hin zu "Zeichen für die Ohren" wie das "musikalische Leitmotiv". So ziemlich alles fällt unter den Begriff "Zeichen" und das in sehr verschiedenen Formen und Verständnissen. Gut, dass Schön das Buch thematisch sehr verständlich strukturiert um in der Vielzahl der Felder der Zeichen (körperliche, kulturelle, natürliche, künstliche, Bilder, rätselhafte etc.) am Ende das Eigentliche seiner Betrachtungen dann sehr verständlich zusammenzufassen.

Wie Zeichen und Zeichenprozesse letztendlich maßgeblich die Kultur und die kulturelle Identität einer Gesellschaft ausdrücken und bestimmen. Als Summe ihrer Artefakte, ihrer (auch stark zeichenhaften" Grundverfassungen wie Religion und Gesetze und ebenso als Summe gemeinsamer "mentaler Vorstellungen", die sich ebenfalls in vielfachen Zeichen ausdrücken. So ergibt sich ein Überblick über die Semiotik in der chronologischen Entstehung und den vielfachen Inhalten, die nicht einfach, teilweise abstrakt und auch sehr trocken ein Gesamtbild der kulturprägenden Bedeutung von Zeichen dem Leser zur Verfügung stellt. Und, zu Recht, darauf verweist, wie hoch die Gefahr der "Verwischung von Bedeutungen" inzwischen geworden ist und damit die inneren Klammern, die Gemeinschaften zusammenhalten unter gemeinsamen Zeichen und eines gemeinsamen Verständnisses derselben in Gefahr bringen.
Fazit
Eine durchaus interessante Lektüre, die allerdings ein Vorinteresse am Thema benötigt, um sich in diesem kompakten Überblick am Ende gut zurecht zu finden.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 10. Oktober 2016

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