Bastian Asdok: Mitten im Land

Mitten im Land

Verlag: Kein & Aber [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Belletristik
ISBN-13 978-3-0369-5746-3

Preis: 20,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 05. Dezember 2016]
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Interessant, wenn auch teils etwas langatmig

Es sind eine ganze Reihe hochaktueller, "moderner" Themen, die Asdok in diesem Debüt anklingen lässt. Der Stress, das Burn-Out, die Sehnsucht nach Ruhe, Entschleunigung und Idylle einerseits. Das etwas tapsige "sich Annähern" an das andere Geschlecht, in dem deutlich wird, dass Leichtigkeit und Konversationsstärke nicht unbedingt zu den automatisierten Eigenschaften von Menschen im digitalen Zeitalter gehören. Der "braune Sumpf" mitten im und mitten auf dem Land. Das Erleben von "Anders Sein" und der Umgang damit, ebenfalls "mitten im Land" und, zudem, inmitten der Gegenwart mit seinen scharfen Bruchkanten zwischen dem Leben in den Metropolen und in den "Einöden".

Denn einsam liegt dieses Dorf. Nicht sonderlich schön sind die Gebäude, kein "Vorzeigedorf". Trist, entleert von vielen jungen Menschen, Leben taucht nur auf Dorffesten auf, dann aber sichtbar, laut und, auch, gewalttätig. Und dann kommt da dieser Mann. Mitgenommen vom hektischen Leben im modernen Getriebe. Hat spontan das fast herrschaftlich wirkende Haus gekauft. Und wird doch vom ersten Tag im neuen Heim angegangen. Vom Land, zunächst. Allergien, Pollen, Intensität, Dunkelheit, fremde Geräusche, kaum Internetempfang und dazu die Idee, in Richtung Selbstversorger sich zu entwickeln.

Einsam. Eine Stille, Leere, eine Kontaktlosigkeit, die tief drückt und die sich auch durch den ein oder anderen Kontakt im Dorf nicht wesentlich mildert. Wie auch, wenn durchaus merkwürdige Menschen im Umfeld leben. Wenn auf einem Dorffest die "Schwarzgekleideten" den Metzger gründlich aufmischen. Wenn diese auch dem Ich-Erzähler einen nachhaltigen Besuch abstatten. Nachdem dieser es "gewagt" hat, sich mit einer Kassiererin des Supermarktes näher bekannt zu machen. Mit der Folge, dass plötzlich aus der Rückzugs-Idylle eine Festung gestaltet wird.

Wobei es durchaus anregend, interessant und spannend zu lesen ist, neben der inneren Entwicklung der Hauptperson, wie Asdonk sich dem Denken und Handeln der "Aktivistengruppe" im Dorf, eher am rechten Rand verankert, sich im zweiten Teil des Romans auch mit Empathie und Verständnis annähert. Wie er nicht verteufelt (auch wenn es Phasen der Spannung und Bedrohung im Buch gibt), sondern aufdeckt, was Entwicklungslinien für ein solches Handeln sind.

Dass er dabei im Stil (gerade zu Anfang) teilweise sehr langatmig bestimmte Handlungen beschreibt (jeder Schritt des Putzvorgangs, des Kochens wird einzeln in eher trockener Form beschrieben), bis das Buch Fahrt aufnimmt, führt allerdings zur Neigung, manche Abschnitte und Seiten einfach zu überschlagen. Ebenso, wie das Ende doch allzu sehr romantisierend daherkommt. Andererseits aber durchaus nicht fern von einer denkbaren Realität von Gruppen von "Aussteigern" sich befindet. Alles in allem ein im Gesamten gut lesbarer Roman mit sehr detailreichem Blick, einer unterschwellig gehörigen Portion Kritik am modernen, hektischen Leben und einer sehr gut beobachteten und getroffenen Suche nach Alternativen. Die nicht wirklich einfach zu finden sind, wenn man sich selbst überall mit hinnimmt.
Fazit
Mit einem ebenso klaren Blick auf die Tristesse des modernen Lebens am "Puls der Zeit" zwischen beruflichem Druck und hektischer Freizeitsucht auf der einen und öder Langeweile ohne großartige Perspektive auf der anderen, der ländlichen Seite des Lebens.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 23. September 2016

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