Bettina Plecher: Giftgrün

Giftgrün

Verlag: Rowohlt Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-499-23562-7

Preis: 9,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 06. Dezember 2016]
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Pesto im Glas - ein giftgrünes Lesevergnügen.

Es würde das letzte Mal sein, dass er sein elegantes Bild voller Wohlgefallen in einem Spiegel in seiner repräsentativen Wohnung betrachten konnte. Aber das ahnte Professor Dr. Gabor Nader noch nicht, als ihn ein leichtes Übelkeitsgefühl befiel, nachdem er genussvoll den Duft des alten Nebbiolo d'Alba einatmete, den er sich als Krönung des vergangenen, angenehmen Abends in ein stilvolles, bauchiges Glas geschüttet hatte. Das von ihm selbst zubereitete Mahl - Scaloppine al Limone mit cremigem Kräuterrisotto - war Dank der marktfrischen Zutaten ein leichter, vorsommerlicher Hochgenuss gewesen. Lediglich die Vorspeise, die traditionell vom jeweiligen Gast mitgebracht wurde und diesmal aus einem recht blass gewürzten aber bitterstoffreichen Kräuterpesto bestand, entsprach so gar nicht seinem Geschmack und dass er sie komplett zu sich nahm, entsprach nur dem Wunsch, seinen Besucher nicht vor den Kopf zu stoßen. Dabei hätte dieser gesellschaftliche faux pax wahrscheinlich sein Leben gerettet.

So aber erfährt am nächsten Tag Frieda May, die ihrem Doktorvater Nader von Würzburg nach München gefolgt ist, um unter seiner Leitung ihre erste Stelle als Stationsärztin anzutreten, dass der Professor mit lebensgefährlichen Vergiftungsanzeichen auf der Intensivstation liegt.Ein ziemlicher Schock für Frieda, die sich am ersten Tag ihrer Kliniklaufbahn ohne den Professor ziemlich hilflos und verlassen fühlt. Als die unselige Mixtur aus Wildkräutern des englischen Gartens, bei denen wohl die Herbstzeitlose an Stelle des würzigen Bärlauchs den Hauptbestandteil bildete, ihre Wirkung getan hatte und man trotz gezielter Maßnahmen das Ableben Naders nicht verhindern konnte, werden Ermittlungen angestellt. Auch der Toxikologe Quirin Quast, Friedas WG-Mitbewohner, trägt zu Recherchen bei, die letztendlich einige Personen namentlich machen, denen Naders Ableben recht genehm sein konnte und einige Leichen aus den Kellern der Vergangenheit ans Licht emporsteigen lassen. Und was verbindet Quirin selbst mit dem Toten - aus einer Zeit, in der sie miteinander geforscht hatten?

Bettina Plecher hat einen wunderbaren bayrischen Medizin-Krimi geschrieben - oder ist es eher ein medizinischer Bayernkrimi? Egal, was der Leser auch erwartet, das flotte, flüssige Lesevergnügen enttäuscht in keiner Hinsicht, zieht auch den kräuterkundigen Herbalisten durch die Wahl des "Tatwerkzeugs" in seinen Bann. Die Protagonisten sind ausgefallen und markant, allesamt authentisch in den ihnen zugedachten Rollen, die Handlung ist nachvollziehbar mit gutem, sich steigerndem Spannungsbogen, der Humor und Lokalkolorit nicht vermissen läßt. Insgesamt ist dieses Erstlingswerk so wie eine gute Pesto eben sein sollte: frisch, genussvoll und appetitanregend - also gerne mehr davon, denn manchmal muss es eben ein bisschen giftig sein!
Fazit
Ein bayrisches Schmankerl, absolut empfehlenswert - das Buch, nicht die Pesto!
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von brillenbaby [Profil]
veröffentlicht am 23. Mai 2013

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