Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Gefangene von Askaban

Harry Potter und der Gefangene von Askaban

Verlag: Carlsen Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Fantasy
ISBN-13 978-3-551-55169-6

Preis: 17,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 01. Oktober 2016]
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Ich habe mich zum Verfassen dieser Rezension entschlossen, da ich die begeisterten Rezensionen zu Band 3 der Harry-Potter-Reihe nicht teile.
Harry Potter, der hier seinem Paten, Sirius Black, erstmals begegnet erfährt hier Neuigkeiten über seinen Vater. Erstmals wird deutlich gemacht, warum Snape Harry hasst. Dies ist aber auch die einzige weiterführende Information gegenüber den ersten beiden Bänden.

Die Geschichte wird insgesamt unübersichtlicher und düstererer im Vergleich zu den beiden Vorgängerbänden. Zwar wird eine sehr sympathische Figur, Lupin, die Lieblingsfigur der Autorin, eingeführt. Der neue Professor zur Verteidigung gegen die Schwarzen Künste ist lebensecht gezeichnet. Nun ist der Band zweifellos spannend geschrieben - aber er ist eindeutig zu spektakulär.
Besonders störend ist - wie es Michael Maar in seinem Buch: "Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte" meines Erachtens völlig zu recht bemerkt - die Benutzung der Zeitumkehr. Nun ist dieses Motiv in der Fantasyliteratur anzutreffen (vgl. etwa Bände von M. Weis und T. Hickman). Hier wird es benutzt, um die Hinrichtung eines Hypogreifs, eines pferdeähnlichen Wesens, rückgängig zu machen. Doch genau dies wirkt sehr konstruiert. Ich hatte das Gefühl, die Autorin hat hier einen Schritt - die aus Spannungsgründen geschilderte Hinrichtung des Tieres - bedauert und durch einen "literarischen Trick" rückgängig gemacht. Außerdem ist verwunderlich, dass insbesondere Harrys Gegenspieler in Hogwarts, Professor Snape, niemals von der Möglichkeit der Zeitumkehr gehört haben soll. Mit diesem Mittel ist dann - für spätere Bände - viel zu viel "begründbar" : so könnte die Autorin auch den Tod von Harrys Eltern "rückgängig" machen. Und dies darf nicht sein, wenn die Reihe insgesamt glaubwürdig bleiben soll.
Außerdem erhebt sich folgende Frage: wenn Snape Harry Potter dermaßen hasst (und dieser Hass steigert sich ja von Band zu Band), warum hat er dann Harry in Band 1 das Leben gerettet? Oder ist die diesbezügliche Erklärung Professor Quirrels in Band 1 unwahr? Um der Glaubwürdigkeit der - an sich gut gezeichneten und in ihrer Charakterdarstellung her vielschichtigen Figuren - zu erhalten, müsste eine glaubhaftere Erklärung für Snapes Hass gegen Harry gefunden werden. Dies bleibt in Band 3, wie auch den beiden nachfolgenden Bänden, offen.
Außerdem erscheint mir die Geschichte um Rons Ratte Krätze, die sich plötzlich als verwandelter Mensch und Verräter Peter Pettigrew entpuppt, sehr weit hergeholt. Entpuppt sich am Ende etwa auch Harrys Eule Hedwig als eine noch unbekannte Figur aus Rowlings Werken? Diese zwei Beispiele seien als Illustration für die zugegebermaßen recht harte Kritik am Plot an dieser Stelle erlaubt. Meines Erachtens wird die Logik der Handlung in diesem Band zu stark strapaziert, um spektakuläre, auf vordergründige "Action" ausgelegte Spannung zu erzeugen und einen - zugegebenermaßen ausgefeilten - Höhepunkt am Schluss - die Rückgängigmachung der Hinrichtung Seidenschnabels und die spektakuläre Flucht Pettigrews und Sirius Blacks - zu ermöglichen. Im übrigen muss ich mich nach der Lektüre von Band 4 und 5 natürlich fragen, wozu Sirius Black in die Handlung überhaupt eingeführt worden ist. Eine bedeutende Rolle, die in diesem Band anzuklingen scheint, spielt er in den späteren Bänden 4 und 5 jedenfalls nicht.
Fazit
Es ist für mich nachvollziehbar, dass dieser Band der spektakulärste in der Reihe ist - und daher kann ich seine Beliebtheit bei den Lesern durchaus nachvollziehen. Für mich bleibt er aufgrund der oben dargestellten Mängel aber der literarisch gesehen schwächste der gesamten Reihe.
5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne5 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 01. Dezember 2003

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