Hendrik Berg: Dunkle Fluten

Dunkle Fluten

Verlag: Goldmann Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-442-47708-1

Preis: 4,89 Euro bei Amazon.de [Stand: 10. Dezember 2016]
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Ein Spreewaldtrauma statt eines Spreewaldtraums beginnt für den Berliner Kommissar Robert Lindner und seine Familie mit dem Tag ihres Umzugs von Berlin nach Glubitz. Seine Frau Marie hat dort ein vernachlässigtes, heruntergekommenes Hotel geerbt und ist fest entschlossen, diesen "Spreewaldhof" wieder zum Leben zu erwecken und für Gäste attraktiv zu renovieren. Ungern schließt Robert sich ihrem Vorhaben an, aber eine Alternative bleibt ihm nicht. Ein Unfall im Dienst hat seine Gesundheit zerstört, ständige Rückenschmerzen mit mangelnder Belastbarkeit und täglichen Tabletteneinnahmen zwingen ihn, seine Polizeiarbeit aufzugeben. Deprimiert und ständig mit seinem Schicksal hadernd wechselt er von West nach Ost, voller Abneigung gegen die "Ossi-Bevölkerung" und nicht bereit, sein Leben noch einmal positiv umzukrempeln. Während seine Frau voller Tatkraft beginnt, das Gasthaus wieder wohnlich zu gestalten, und sich und ihrer Familie eine neue Zukunft zu erschließen, wird Robert nach und nach immer stärker ein Opfer seiner trüben Gedanken, leidet unter unsäglichen Schmerzen, die er mit ebenso unsäglichen Mengen von starken Opiaten zu besänftigen versucht. Und hier beginnt dann auch ein verhängnisvoller Strudel sich zu drehen, in dessen Mitte er sich wiederfindet, zweifelnd an der Realität und an sich selbst, dunklen, unbekannten Mächten hilflos ausgeliefert, ein Spielball drohender Unwägbarkeiten.

Wer als Leser hier in diesem Debutwerk von Hendrik Berg einen Kriminalroman mit hergebrachtem, fundiertem Thrillergerüst erwartet, wird mit Sicherheit enttäuscht sein. Einmal laufen zwei Geschichten in Parallelwelten ab, die erst spät ineinander übergehen, zum Anderen führt uns der Autor über einen prima aufgebauten Spannungsbogen ständig tiefer in ein Labyrinth von Vermutungen und Ahnungen, gibt immer wieder Andeutungen und Hinweise, stellt Geglaubtes wieder in Frage, sodass man sich niemals ganz sicher sein kann. Man tastet herum, teils ist es morastig düster, teils boshaft und hinterhältig - aber nichts ist klar und greifbar. Über Allem liegt die ständige, unterschwellige Angst vor dem Unbekannten, die uns einhüllt wie der Spreewaldnebel, der die verschlungenen Kanäle in wattige Feuchte bettet und den Leser mit seinen tastenden Fingern berührt. Sich berühren lassen von einer Atmosphäre, die manchmal hier den Bezug zur Wirklichkeit verläßt und auf Realität verzichtet - dazu muss man bereit sein, um diesen Krimi mit Genuss lesen zu können. Er ist ausgefallen, speziell und überhaupt nicht alltäglich, eine gelungene Kombination zwischen Thrill und Fantasy - eine echte "Doppelspur", wobei wir wieder bei den Parallelwelten sind.
Fazit
Dem Autor ist hier ein eindrucksvolles Debut gelungen. Mit ständig wachsendem Spannungsbogen und ausdrucksvoller, bildreicher Sprache versteht er es, den Leser über das gesamte Buch hin in Atem zu halten und serviert einen first-class Page - Turner.
9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne9 Sterne

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Vorgeschlagen von brillenbaby [Profil]
veröffentlicht am 27. Juni 2012

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