Ulf Dirlmeier, Gerhard Fouquet, Bernd Fuhrmann: Europa im Spätmittelalter 1215 - 1378 (Oldenbourg Grundriss Geschichte 8)

Europa im Spätmittelalter 1215 - 1378 (Oldenbourg Grundriss Geschichte 8)

Verlag: Oldenbourg Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-486-48831-9

Preis: 22,00 Euro bei Amazon.de [Stand: 07. Dezember 2016]
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Spätmittelalter - alleine der Begriff suggeriert etwas "was zu Ende geht", ein "Absterben". Der aus der Kunstgeschichte hervorgegangene Begriff beschreibt die Zeit etwa vom Tode Kaiser Friedrichs II. und dem Zusammenbruch der Stauferherrschaft, bis zum Ende des Mittelalters, welches je nach Gusto und Forschungsmeinung von Ende des 15. Jahrhunderts bis zu den Bauernkriegen um 1525 datiert werden kann. Diese Zeit war für die Entwicklung des modernen Deutschlands und Europas unheimlich prägend. In Deutschland bildete sich in dieser Zeit ein "Reichsgrundgesetz" (Goldene Bulle 1356) heraus, welches bis 1806 im Reich Bestand haben sollte. In Italien begann die Renaissance, Frankreich und England wurden moderne Staaten. Nun liegt auch endlich ein geeignetes Forschungsinstrument für Studenten und Lehrende aus der bekannten OGG Reihe vor.
Lange musste der Leser auf den achten Band der bekannten Reihe "Oldenbourg Grundriss der Geschichte" (OGG) warten. Das nun vorliegende Exemplar ist nicht nur das einzige, an welchem gleich mehrere Autoren beteiligt waren, sondern auch eines der gelungensten - wenn auch nicht in allen Bereichen.

Die Reihe OGG ist recht ungewöhnlich aufgebaut, nämlich dreigeteilt. Im ersten Teil erwartet den Leser - nach einer kurzen und dennoch vorzüglichen Erläuterrung des nicht unproblematischen Begriffs "Spätmittelalter" - eine knappe Zusammenfassung der politischen Ereignisgeschichte. Der gewählte Darstellungszeitraum von 1215 bis 1378 ist eher kirchengeschichtlich gewählt (und meiner persönlichen Meinung nach eher unglücklich, doch ist die Periodisierung des Mittelalters ohnehin eine Wissenschaft für sich). Dargestellt wird die Herrschaft des "stupor mundi" Friedrichs II., das mit seinem Tode bzw. des seines Sohnes Konrad IV. einsetzende sogenannte "Interregnum", über die Zeit des Romzuges Heinrichs VII., den Kampf zwischen Luxemburgern, Habsburgern und Wittelsbachern um die Krone, bis zum Zeitalter Karls IV.

Die ungewohnt knappe Darstellung der Ereignisgeschichte trägt zweierlei Tatsachen Rechnung. Zum einen ist die politische Geschichte nie das Hauptbetätigungsfeld der Mediävisten gewesen (sondern vielmehr die Geistes-, Ideen-, Verfassungs- und Sozialgeschichte, wenigstens in der neueren Zeit), zum anderen ist die OGG Reihe stark problemorientiert ausgerichtet. Sie soll Studenten und Lehrenden als Handwerkszeug dienen. Daraus erklärt sich auch der bewusst in die Breite gehende zweite Teil, in dem die verschiedenen Forschungsmeinungen zum angesprochenen Zeitraum höchst eloquent, wenn auch manchmal schmerzlich knapp, ausgeführt werden. Gerade der Teil "Forschungsmeinung" ist der interessanteste Teil der OGG, da dort knapp die wichtigste Litertur und die dort vertretende Lehrmeinung präsentiert werden - die nicht immer unproblematisch ist, wie die Beispiele Friedrich II., Heinrich VII. und Karl IV. zeigen.

Im dritten und letzten Teil findet sich eine nicht kommentierte, aber nach Schwerpunkten gruppierte Auswahlbibliographie. Diese ist relativ umfassend, doch wurden manche Bücher jüngeren Datums nicht berücksichtigt. Doch stellt eine solche Bibliographie ohnehin nur eine Auswahl dar, die gezwungenermaßen subjektiv sein muss.
Fazit
Insgesamt liegt mit diesem Band sowohl Studenten, Lehrern als auch Laien ein vorzügliches Arbeitsinstrument für die Zeit des Spätmittelalters vor, welches zudem die neuen Stömungen der Mediävistik und der Geschichte im Allgemeinen, hin zu einer Kulturwissenschaft miteinbzogen hat. Zudem wurde der europäische Rahmen mitberücksichtigt, so dass keine nationalen Scheukappen den Blick für das große Ganze versperren.

Zum Schluss möchte der Rezensent noch einmal auf die allgemeinen Vorteile der OGG verweisen, welche den Zeitraum von der Antike bis zur Neuzeit abdeckt. Jedem interessierten Leser, der sich einen Überblick verschaffen will, sei es über die Literatur oder die Forschungsmeinung, sei diese Reihe ans Herz gelegt. Die Dreiteilung durchzieht die gesamte Reihe, die im Großen und Ganzen ein hervorragendes Arbeitsinstrument darstellt.
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Vorgeschlagen von B. Kiemerer [Profil]
veröffentlicht am 08. Oktober 2003

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