Jürgen Overhoff: Friedrich der Grosse und George Washington

Friedrich der Grosse und George Washington

Verlag: Klett-Cotta Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Biografie
ISBN-13 978-3-608-94647-5

Preis: 22,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 07. Dezember 2016]
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Was haben Friedrich der Große und George Washington miteinander zu tun? Diese Frage kann sich der Leser zu recht stellen. Wäre es nicht angebrachter, eine Doppelbiographie über Friedrich den Großen und seiner Gegenspielerin, der Kaiserin Maria Theresia zu schreiben? Dass Friedrich der Große und George Washington viele Gemeinsamkeiten hatten, zeigt Overhoff in dieser faszinierenden Doppelbiographie auf. Doch hauptsächlich verkörperten sie - wie Overhoff klug darstellt - zwei unterschiedliche Wege der Aufklärung, die der Philosoph John Locke beschrieben hatte: würde die politische Entwicklung in Richtung auf "aufgeklärte Monarchien" gehen, die durch Friedrich, den "ersten Diener des Staates" verkörpert wurde, oder würde es auch in größeren Gemeinwesen zu demokratischen Republiken kommen? Bislang gab es das republikanische Experiment nur in kleinen Staaten, etwa den Niederlanden.

Overhoff zeigt eindrucksvoll, wie die Idee der Aufklärung, des "Lichtes", zur Leitidee des beginnenden 18. Jahrhunderts avancierte und dass letztlich der demokratischen Republik George Washingtons die Zukunft gehörte. Nicht umsonst nannte John Quincy Adams, einer der Nachfolger Washingtons im Amt des US-Präsidenten, seinen Sohn George - obwohl er sowohl Friedrich den Großen wie auch Washington verehrte. Mit der Namensgebung des Sohnes im Jahre 1801 zeigte John Quincy Adams, wem nach seiner Meinung die Zukunft gehörte. Besonders gelungen finde ich die erste Hälfte des Buches, die den Weg der Idee der Aufklärung, die beiden von ihr beeinflussten gegensätzlichen Staatssysteme, Pennsylvania und Preußen, die beide im Jahre 1701 entstanden sind, nachzeichnen. Die Biographie der beiden Protagonisten dieser gegensätzlichen Wege, wird besonders im zweiten Teil - manchmal etwas zu kurz - abgehandelt.

Insgesamt dennoch ein faszinierendes Buch, da mir seit Paul Sethes: "Morgenröte der Gegenwart" aus dem Jahr 1963 - welches auch im vorzüglich kommentierten Literaturverzeichnis erwähnt wird - kein Buch bekannt ist, welches die Wirkung der Aufklärung auf die politischen Systeme des 18. Jahrhunderts und die gegensätzlichen Staatssysteme, die sich auf das neue Weltbild der Aufklärung berufen, so detailliert untersucht. Einziger kleiner "Wehmutstropfen", dass einige biographische Einzelheiten im zweiten Teil zu kurz und skizzenartig geschildert werden. 100 Seiten mehr hätten dem Buch meines Wissens gutgetan.
Fazit
Trotzdem eine unglaubliche Forschungsleistung, die insgesamt die volle Punktzahl verdient.
10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne10 Sterne

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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 05. März 2012

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