Stefan Kuzmany: Das können Sie glauben

Das können Sie glauben

Verlag: S. Fischer [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-596-18090-5

Preis: 9,99 Euro bei Amazon.de [Stand: 08. Dezember 2016]
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Ein religiöser Selbstversuch

Spiritualität ist "in", Religion durchaus von Bedeutung, wenn auch nicht unbedingt in den tradierten und konfessionell verfassten Formen. Eine ganze Reihe von Neuerschienungen des zu Ende gehenden Jahres haben sich diesem Thema zugewandt, einige betrachtend, andere, wie auch dieses von Stefan Kuzmany, unter "Einbringung der eigenen Person".

So macht sich Stefan Kuzmany auf, im "Dschungel der Religionen" ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen und die verschiedenen Religionen (und deren Heilsversprechen) zu testen. Frei nach dem Motto aus der Feuerzangenbowle, "da stellen wir uns einmal ganz dumm", lässt sich Kuzmany von den diversen Religionen "aufklären".

Heraus kommt ein Buch mit durchaus persönlich gehaltener Note, verfasst in einem leicht und eingängig zu lesendem Stil mit einer gehörigen Portion Ironie (ohne dabei ins Zynische abzugleiten, was schon eine Kunst ist im Tenor des Buches). Wer schon das erste Kapitel zum Islam untertitelt mit "Her mit den Jungfrauen", der stellt einerseits klar, dass er die entsprechenden Stellen des Koran kennt (und vorbringt), durchaus aber das zwinkernde Auge nicht vergisst. Im Verlauf der Lektüre kann so manches Mal der Eindruck einer Satire, zumindest aber der deutlichen Kritik an den weltlichen Ausformulierungen des zu Grunde liegenden Heilsversprechens aufkommen. Und das sicher nicht vom Autor ungewollt.

Auch wenn sich der ein oder die andere Würdenträger/in vielleicht an solcher Ironie stören könnte, für das Leseerlebnis ist diese gehörige Portion Humor nur förderlich und, seien wir ehrlich, eine ganze Reihe äußerst merkwürdig anmutender Regeln und Verssprechen ist allen dargestellten Religionen eigen. Empfohlen sei die hier die Betrachtung des christlichen Zungenredens im Buch unter vielen anderen Merkwürdigkeiten, die dargeboten werden. Eigenheiten, auf denen Kuzmany nicht ständig herumtrampelt, die aber dennoch ständig vom Rande her mit einfließen. Was Wunder bei einem Autor, der von sich sagt: "Im Lauf der Jahre verlor ich meinen Glauben".

Was sicherlich für das Anliegen des Buches auch seine negativen Auswüchse nach sich zieht. Denn neben den vielen, vielen unglaubwürdigen, merkwürdigen, gar peinlichen Ausformungen dessen, was Menschen sich unter Religion im Lauf der Jahrtausende vorgestellt haben und noch vorstellen, fällt so der "spirituelle Kern", oder, anders gesagt, ein durchaus ernst zu nehmendes und ebenfalls seit Jahrtausenden vorhandenes Bedürfnis des Menschen, die Transzendenz zu einer höheren Kraft hin, ein wenig einfach unter den Tisch. Nur in kleinren Nebensätzen wird erkennbar, dass hinter all der humorvoll verpackten Kritik an den verfassten Religionen ein "Mehr" schlummern könnte". Wenn die Email im "Namen des höheren Wesens, dass wir alle verehren" Kuzmany doch auf eine andere, treffendere Spur führen könnte.

Ansonsten findet sich um Buch durchaus dem Eingeweihten zwar altbekanntes, dem neugierigen Leser aber durchaus auch fundiert nahe gebrachte, neue Informationen. Biographisches zu Mohammed, zu seinem Großvater, dem Hüter von Zamzam und zur Entstehungsgeschichte des "schwarzen Steines" und damit der Kaaba in Mekka finden sich ebenso, wie die Eckpfeiler des Islam.

Judentum, Christentum und Buddhismus komplettieren im überwiegenden Teil des Buches den Blick auf die "klassischen Weltreligionen". Dankenswerterweise geht Kuzmany mit ebensolcher distanzierter (und damit entlarvender) Ironie auch an Scientology heran. Gut, dass die Ehefrau des, nach dem Besuch der Scientology Zentrale, sich bereits als allmächtig fühlenden "Journalisten-Gottes" diesen umgehend wieder zu erden versteht.

Im quasi Schnelldurchlauf werden dann, im letzten Kapitel noch einige andere, kleinere, neuere Heilsversprechen betrachtet (und bewertet).
Fazit
Alles in allem bildet das Buch eher eine "Religionssatire", dies aber auf gut informiertem Boden. Sprachlich flüssig und ironisch gut zu lesen, bildet Kuzmany die Kernaussagen und die Geschichte der vier Weltreligionen in Teilen durchaus fundiert ab, legt den Fokus aber deutlich auf den unglaubwürdigen, merkwürdigen und dadurch bestens zu persiflierenden Teil der besprochenen Religionen. Das, was an ernstzunehmendem Kern vielleicht doch zu finden wäre, fällt weitgehend durch den Rost der Ironie. Als Religionskritik auf humorige Art wunderbar und informativ zu lesen, im Sinne einer differenzierten Darstellung eher weniger umgesetzt.
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 14. November 2011

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