Andreas von Bülow: Die CIA und der 11. September: Internationaler Terror und die Rolle der Geheimdienste

Die CIA und der 11. September: Internationaler Terror und die Rolle der Geheimdienste

Verlag: Piper Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-492-04545-2

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Andreas von Bülow hat in seinem Buch "Die CIA und der 11. September" plausible Zweifel an dem offiziellen Hergang der Ereignisse um den 11. September 2001 auf 280 Seiten dargelegt. Unter anderem bemängelt von Bülow zu recht, dass nach rund 2 Jahren noch nicht einmal ein amtlicher Zwischenbericht der Bush-Administration zu den Ereignissen vorliegt. Hauptvorwurf des Autors, der selber zwischen 1976 und 1980 parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium und zeitweise Mitglied der parlamentarischen Kontrollkommission für die Geheimdienste war, ist, dass die 19 Personen, die die Attentate begangen haben sollen, dies gar nicht hätten tun können und Osama bin Laden nicht hinter diesen Anschlägen stecken könne, sondern dieses eine "bewußte Fehlspur" (Zusammenfassung, S. 250) der CIA gewesen sei. Es sei empörend, dass die Regierung sich weigere, die Hintergründe der Terrorakte ohne Ansehen der Person aufzuklären. Es spräche einiges dafür, dass den 19 angeblichen Selbstmordattentätern die Tat in die Schuhe geschoben worden sei. "Der eigentliche Tathergang war mit Sicherheit anders. Die Flugzeuge sind mit aller Wahrscheinlichkeit durch Fernsteuerung den Piloten aus der Handgenommen und in die Türme des World Trade Centers gesteuert worden." Diese seien kontrolliert gesprengt worden. "Und beide scheinbar synchron ablaufenden Taten werden über eine breit gelegte Fehlspur muslimischen Selbstmordattentätern in die Schuhe geschoben, die als Vertreter der hassenswerten, einer Neuordnung dringend bedürftigen muslimischen Zivilisation stehen." Bülow glaubt, auch wenn er dies explizit nicht beweisen kann, der amerikanische Geheimdienst stünde selber hinter den Anschlägen und verweist auf das Projekt "The New American Century", an dem maßgebliche Vertreter der Neokonservativen mitgearbeitet haben. Kernthesen dieses Projektes, welches ich im Internet nachgelesen habe, ist die Forderung nach einer aggressiveren und nationale Eigeninteressen stärker betonenden präventiven Außen- und Sicherheitspolitik. Mitargeiter an diesem Projekt sind u.a. der derzeitige Vizepräsident der USA, Cheney, der stellvertretende Außenminister Armitage, der Bruder des Präsidenten und Gouverneur von Florida, Jeb Bush. In diesem Aufsatz ist unter anerem nachzulesen, dass die erforderliche Umstellung von Rüstung und Streitkräften "samt der dem Volk aufzuerlegenden Finanzierungslasten nur zögerlich vorangehen werden. Es sei denn, so klingt ein Hoffnungsschimmer an, ein Katastrophenereignis trete ein wie seinerzeit der ÜBerfall der japanischen Streitkräfte auf den ahnungslosen amerikanischen Marinestützpunkt Pearl Harbor... (Bülow, S. 235)." Wörtlich heißt es in der Fußnote 236: "some catastrophic and catalyzing event." Da die Quelle auch in "Spiegel online" publiziert und somit nachlesbar ist, muss leider gesagt werden: von Bülow hat hier korrekt zitiert.
Soweit, so gut. Aber, und dies ist das unbefriedigende an dem Buch: die - sehr starken - Anschuldigungen, die es nahelegen, der Bush-Administration eine Mitschuld an den Ereignissen zu geben (zumindest wird dies von dem Autor insinuiert), werden - und können bei dem Stand der derzeitigen Quellenlage - nicht bewiesen. Und hier gilt für mich: wer solche Anschuldigungen, auch mit dem Mittel der Insinuation, erhebt, muss sie hieb- und stichfest beweisen können. Und hier hat meines Erachtens der Rezensent von Amazon.de völlig recht: an diesem Beweis fehlt es. Und dies gilt auch für die Quellen im Internet oder die Bücher von Mathias Bröckers und Andreas Hauß. Natürlich kann eingewandt werden: auch der Reichstagsbrand half einer Regierung, ihren Wahlsieg durchzusetzen, nämlich der nationalsozialistischen Regierung Hitler. Insofern war sie Nutznießer des Brandes, ob Nazis ihn nun gelegt haben oder nicht. Genauso argumentieren die Verschwörungstheoretiker: Nutznießer sei der amerikanische Geheimdienst; ohne stichhaltige Beweise für ihre Thesen vorzulegen. Und dies ist meiner Meinung nach eindeutig zu wenig; hier müßte mehr recherchiert werden; erst dann hat ein solches Buch Sinn. Vorher ist es sicherlich spannend zu lesen; aber doch nur, wie zahlreiche Besprechungen meines Erachtens zu recht bilanziert haben, eine Ansammlung von unbewiesenen Spekulationen.
Fazit
Und dazu ist die Angelegenheit - bei aller Plausibilität der angemeldeten Zweifel an Hergang, Motiven und Tätern der schrecklichen Ereignisse, zu ernst.
4 Sterne4 Sterne4 Sterne4 Sterne4 Sterne4 Sterne4 Sterne4 Sterne4 Sterne4 Sterne

weitere Rezension zu diesem Buch schreiben
Rezension als PDF-Datei speichern
Direkt verlinken: http://www.buchtips.net/rez576.htm

Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 01. September 2003

Buchtips.net 2002 - 2016  |  Kontakt  |  Impressum