Jan Melzer, Sören Sieg: Come in and burn out

Come in and burn out

Verlag: dtv [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Sachbuch
ISBN-13 978-3-423-24872-3

Preis: 14,90 Euro bei Amazon.de [Stand: 01. Januar 1970]
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Denglisch für Anfänger

Es gibt eine Sprache, die längst die Grenzen einer der klassischen "Jugendsprachen" aller Zeiten überschritten hat und sich in viele, auch wesentliche Bereiche des öffentlichen Lebens einnistet. Von der Werbung über die Bank, von den Medien über Gebrauchsanweisungen, Denglish macht sich breit, überall.

Jan Melzer und Sören Sieg haben sich aufgemacht, das Rätsel um viele Begriffe und Redewendungen einer Lösung zuzuführen und bieten einen (nicht immer ganz ernst gemeinten, durchaus aber humorvoll zu lesenden und den Horizont erweiternden) "Sprachkurs" in 15 Konversationshilfen an, die eher in Lexikonformat im Buch vorliegen.

Teambuilding Incentive? Shit Point? (Das Wegzappen beim Fernsehen aus Werbesicht). Twitter Backlash? Modern Performer? Oder gar Pos, Foh und Wasp? Wer nun bereits mit staunenden Augen vor diesen fast Grundbegriffen des modernen Lebens steht, der sollte dringend das Buch aufschlagen. Denn ernster wird es durchaus bei Produkten, die "Shorts" heißen oder "Credit Default Swap". Wer noch nicht einmal vom Namen her ahnen kann, worum es geht, wer soll dann solch komplexe Bank- und Börsenprodukte überhaupt verstehen? Gekauft aber wurden sie, und das in Massen, mit bekannten Folgen.

Nicht nur vergnüglich also ist die Lektüre des Buches, gerade an den Schnittstellen zu ernsthaften Geschäften, Finanzen oder im internen Sprachgebrauch von Medienagenturen ist es durchaus nützlich, zu wissen, was da codiert in "Denglisch" von sich gegeben wird. Vieles von dem nämlich, was so cool, locker und wichtig wirkt entzaubert sich beim näheren Hinsehen durchaus. Ein "Come in and find out" kann letztlich nämlich nur jemand als Werbebotschaft auf die Menschheit loslassen und auf Wirkung vertrauen, der es selbst nicht ganz versteht und hofft, dass auch der Rest ähnlich im Dunkeln taumelt.

15 Kapitel erwarten den Leser, vom einfachen "Checker chillen" des Teenie-Denglisch über "Chicks shoppen" des Lady-Denglish bis hin zum "Nerds surfen" aus dem It-Denglisch.

Zu jedem Sachthema bieten die Autoren eine kurze Hinführung des Lebensrahmens, in dem genau jenes Denglisch seinen Platz gefunden hat, erläutern Grundbegriffe dieses Lebensrahmens, bieten einen Wortschatz, aufgebaut und Grund- und Aufbauwortschatz und, jeweils abschießend, eine Konversationshilfe, um sich zurechtzufinden und "mitreden" zu können, falls es einen aus Interesse, beruflich oder einfach nur aus Neugier einmal in diese Lebenswelten verschlägt. Nicht jeder Mann fährt Motorrad und muss daher das Man-Denglisch im Griff haben, aber was die Autoren im Weitern zu Home-Cínema, Camcorder oder Midlife-Crisis zu sagen haben (wie immer im Buch nicht ganz ernstgemeint), ist unterhaltsam zu lesen und bietet eben jene Art des cruisens durch das Buch, die auch im Leben an manchen Orten zur Lebenshaltung geworden ist. Das allerdings ein "Downer" als "Abendbrot für Apotheker" übersetzt wird, zeigt hier wie an anderen Orten, dass das Biuch nicht immer eine wirkliche Hilfe darstellt. Den Scherz versteht nämlich nur, wer schon Denglisch beherrscht. Manchmal, zum Glück nicht zu oft, sind die Autoren tatsächlich all zu lustig unterwegs und schrammen haarscharf an der Nervgrenze vorbei.

Ist das alles nun gut oder schlecht? Kommt es noch schlimmer oder ist es bereits besser, als es einmal war? Fragen, die im Buch in beide Richtungen beantwortet werden. Es findet sich auch zwei Plädoyers noch im Buch, eines für Denglisch und eines vehement dagegen. So kann der Leser sich in aller Ruhe entscheiden, ob er das alles für den größten Unsinn der Sprachverwirrung hält oder doch als längst überfällige Internationalisierung der kantigen, deutschen Sprache verstehen will. Dass nämlich Cowboy viel lockerer und besser klingt als Kuhjunge, dass ist nun mal klar.
Fazit
Eine amüsante, humorvolle und nicht ganz ernst gemeinte Reise durch die gegenwärtige Sprachentwicklung oder Sprachverirrungen, je nachdem, wie man es betrachtet. Kein Buch, auf das die Welt unbedingt gewartet hat, aber ein durchaus kurzweiliges Lesevergnügen.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne

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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 18. Mai 2011

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