Donna Tartt: Die geheime Geschichte

Die geheime Geschichte

Verlag: Goldmann Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Thriller
ISBN-13 978-3-442-42943-1

Preis: aktuell keine Daten vorhanden
Ich habe mir das Buch aufgrund der begeisterten Rezensionen gekauft und muss ehrlich sagen, dass es mir nicht gefällt. Das Buch behandelt den gemeinschaftlichen Mord mehrerer Studenten an ihrem Kommilitonen (dies wird auf der ersten Seite erzählt) und erzählt dann in einer Art Rückblick des Protagonisten, wie es dazu kommen konnte.Das Buch ist mir zu vorhersehbar und außergewöhnlich langatmig. Ich mag spannende Thriller, die insofern glaubwürdig sind, als ich das Gefühl habe, dass eine Handlung wirklich passiert sein könnte - so liebe ich etwa Robert Goddard oder Patrick Quentin. Hier jedoch habe ich das Gefühl, dass der ganze Plot zwar kunstvoll geplant ist - die Autorin hat ja sehr lange an ihrem Debutroman gesessen - aber alles wirkt auf mich zu "künstlich"; jedes Detail wirkt "gemalt" - und nicht wirklich erlebt. Die Geschichte ist meines Erachtens vorhersehbar und wirkt zu "gewollt"; Thriller, die Spannung erzeugen sollen, müssen mir aber das Gefühl geben, dass sie wirklich geschehen können; eine künstlich-morbide Atmosphäre schaffen, reicht nicht. Außerdem hätte der gesamte Plot um die Hälfte gekürzt werden können; er wirkt außergewöhnlich langatmig und unwahrscheinlich. Der ganze Roman wirkt auf mich wie ein künstlerisch hervorragend gezeichnetes Bild - man kann sehen, was der Maler alles hineininterpretierte; jedoch nicht wie die Wirklichkeit. Diese gewollt "psychodelische" Atmosphäre - wie man sie aus Romanen von Ruth Rendell oder Margaret Millar kennt -, hinter der sich nichts als die Häufung von Unwahrscheinlichkeiten verbirgt, liegen mir nicht. Jochen Schmidt hat in seinem hervorragenden - leider vergriffenen - Buch "Gangster, Opfer, Detektive" über Ruth Rendell geschrieben: "Doch problematischer als jene [...] Detektivgeschichten sind jene weitaus ehrgeizigeren psychologischen Thriller [...], die ohne Polizei und Mordaufklärung, ohne das klassische Whodunit-Schema auszukommen suchen und die Spannung ganz aus dem Innenleben der Figuren ableiten. Dabei neigt [sie] zu Handlungskonstruktuionen, die allzu viele Zufälle miteinander kombinieren." (Schmidt, S. 237).
Genau dies gilt meines Erachtens ebenso für das vorliegende Buch, welches - laut Buchrücken - von Ruth Rendell, deren Werke eben ausführlich kommentiert wurden, überschwenglich gelobt wurde - als hervorragender Debutroman. Kein Wunder, Donna Tartt schreibt eben genauso wie Ruth Rendell - so meine Meinung.
Fazit
Aus oben gesagtem wird offensichtlich, dass dieser gewollt psychodelische Thriller mit Kunstcharakteren, die es so in Wirklichkeit nicht gibt, meinen Geschmack nicht getroffen haben. Aber die Geschmäcker sind ja glücklicherweise verschieden und so soll jeder Leser sich sein Bild über das vorliegende Buch selber machen.
3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne3 Sterne
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Vorgeschlagen von Bernhard Nowak [Profil]
veröffentlicht am 25. August 2003

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