Yrsa Sigurdardóttir: Feuernacht

Feuernacht

Verlag: Fischer Taschenbuchverlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Krimi
ISBN-13 978-3-596-18870-3

Preis: 8,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 30. September 2016]
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Noch nie hatte die Anwältin Dóra Gudmundsdóttir sich in Anwesenheit eines Menschen so unbehaglich gefühlt. Jósteinn, Insasse der einzigen isländischen Anstalt für psychisch kranke Straftäter, hat Dóra nicht wegen seines eigenen Verfahrens in die Strafanstalt bestellt. Der Sexualstraftäter, der für schuldunfähig erklärt wurde, beauftragt Dóra, für seinen Mitinsassen Jakob eine Wiederaufnahme seines Verfahrens vorzubereiten. Jakob leidet am Down-Syndrom und ist als Brandstifter verurteilt worden. Beim Brand des Heimes, in dem der junge Mann damals lebte, kamen die Bewohner und ein Hausmeister ums Leben. Patienten mit Down-Syndrom sind liebenswerte, kontakfreudige Menschen, so dass man bald zweifelt, ob Jakob eine so kühl geplante Tat durchgeführt haben kann. Wer hatte die grausame Idee, Jakob gemeinsam mit Mehrfachbehinderten unterzubringen, die nicht mit anderen Menschen kommunizieren können? In diesem Heim wurde offenbar schon vor dem Brand allerlei vertuscht. Einvardur, der Vater eines beim Brand getöteten Bewohners, ist ein hohes Tier im Justizministerium und lässt offenbar von dort seine Beziehungen spielen.

Natürlich muss es in einem Roman aus Island kräftig spuken, um die Leser des Buches in die nötige düstere Stimmung zu versetzen. Dóra sichtet Akten, befragt die Familien der Opfer und rätselt, was Jósteinn mit seiner Aktion überhaupt bezwecken will. Die Anwältin, die sich vorher nie Gedanken darüber gemacht hat, wie Behinderte in Island betreut werden, kommt bald dahinter, dass Jakobs Pflichtverteidiger alles andere als seine Pflicht getan und das Gerichtsverfahren nur widerwillig abgesessen hat. Jakobs kindlich wirkende Aussagen sind Dóra keine Hilfe. Beim Sichten des Filmmaterials für einen geplanten Dokumentarfilm über das Heim tauchen für Dora mehr ungeklärte Fragen als Antworten auf. Den Überblick über alle lebenden und bereits verstorbenen Personen behält man mithilfe der Personenliste zu Beginn des Buches. Kryptische SMS zeigen der Anwältin, dass jemand aus der Anonymität heraus ein starkes Interesse an der Wiederaufnhame von Jakobs Verfahren haben muss. Der Fall, der den Tod mehrerer stark behinderter Heimbewohner untersucht, entwickelt eine ganz eigene Spannung als außer dem geistig behinderten Jakob eine weitere Zeugin auftaucht, die sich nur eingeschränkt äußern kann. Phantasie und Einfühlung in Dóras besondere Klienten sind gefragt. Von Jakobs liebenswerter Persönlichkeit wird kaum jemand unberührt bleiben.

Die Datumsangabe am Beginn jedes Kapitels katapultiert den Leser mitten ins Jahr 2010 und lässt Sigurdadóttirs fünften Krimi um die Anwältin Dora Gudmundsdóttir besonders eindringlich wirken. Doras deutscher Freund Matthias hat während der Wirtschaftskrise seine Stelle bei der Bank verloren und kann Dóra deshalb bei ihren Ermittlungen begleiten.
Fazit
Wie vordergründig durch ein topmodernes Pflegeheim für die behinderten Heimbewohner das Beste erreicht werden sollte und nun bestimmte Personen ihre egoistischen Interessen zu verheimlichen suchen, vermittelt Yrsa Sigurdadóttir fesselnd. Ein spannender Krimi, der in die Welt von geistig und körperlich Behinderten führt und auch ohne Kenntnis der vorangegangenen Titel verständlich ist.
7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne7 Sterne
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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 08. Dezember 2010

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