Sabine Weigand: Die silberne Burg

Die silberne Burg

Verlag: S. Fischer [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: historischer Roman
ISBN-13 978-3-8105-2664-9

Preis: 1,95 Euro bei Amazon.de [Stand: 30. September 2016]
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Gefährliche Geheimnisse

Wie auch heute das fahrende Volk der Aussteller und Fahrgeschäftebetreiber ihre Tournee durch die Städte, immer dem nächsten Volksfest hinterher, abfahren, so führten auch die Gaukler des Mittelalters ein unstetes, fahrendes Leben und bestückten die Märkte und Feste der Dörfer und Markplätze mit ihren Kunststücken.

Die Gruppe der Gaukler und Marktreisenden war durch ihre reisende Lebenshaltung gerade in mittelalterlichen Zeiten ein relativ sicherer Ort, um sich vor allzu neugierigen Augen verborgen zu halten. Ein sich verbergen, was die drei Hauptfiguren des neuen Romans von Sabine Weigand miteinander verbindet, ohne dass diese es zunächst je voneinander ahnen würden.

Sara, Jüdin, Ärztin und ihrem herrschsüchtigen und brutalen Ehemann entwichen (eine historisch verbürgte Person übrigens) muss gleich aus allen drei genannten Gründen ständig konzentriert darauf achten, dass sie sich nicht verrät. Juden wurden im religiös christlich aufgepeitschten Mittelalter erbittert verfolgt, einer Frau war die Welt der Ärzte und Heilkunde schlichtweg verboten und eine Ehefrau, die ihrem Mann entflieht hatte mit schärfsten Sanktionen zu rechnen. Ezzo, der jugendliche und jungendhaft wirkende Gaukler ist in Wahrheit ein Ritter mit geheimem, hochköniglichem Auftrag. Und Charan, der Mönch. Hütet das Vermächtnis des als Ketzere gebrandmarkten John Wyclif, dessen Enthüllung die Grundfesten der katholischen Kirche erbeben lassen würde. Alle drei sind mit der Gauklertruppe von Fest zu Fest am Rhein entlang unterwegs nach Konstanz, wo ein Konzil abgehalten werden wird. Das natürlich die Gaukler aus allen Himmelsrichtungen ebenso anzieht wie Marktleute und hohe Herren und Damen in und außerhalb der kirchlichen Hierarchie.

Als zudem noch im Verlauf des Buches deutlich wird, dass in Konstanz auf höchster Ebene Intrigen und Strategien um die Macht im Reich gesponnen werden, sind alle Zutaten für eine abenteuerliche Geschichte von gefährlichen Missionen gegeben. Zutaten, die Sabine Weigand in sprachlich gewohnt souveräner Weise umzusetzen versteht. Natürlich kann Sara in so mancherlei Situationen nicht verleugnen, dass sie medizinisches Wissen und Fertigkeiten besitzt, natürlich gerät Ezzo in Situationen, in denen sein Rittertum und seine Waffenkunst an die Oberfläche dringen.

Historisch detailgetreu versteht es Sabine Weigand, ihren Charakteren Leben einzugeben und das Denken und die Lebensweise des vorgerückten Mittelalters in bester Weise vor Augen zu führen. In all dem setzt sie einen klar erkennbaren Schwerpunkt in der Beschreibung des jüdischen Lebens samt seiner stetigen Gefährdungen jener Zeit, ebenso, wie sie die Rolle der Frau und die manches Mal bitteren Einschränkungen und Ungerechtigkeiten der Frauen jener Zeit klar vor Augen führt.
Fazit
Ein klarer Blick auf die realen Lebensumstände des späten Mittelalters gepaart mit einer abenteuerlichen Geschichte, die von Figuren getragen wird, die dem wahren Leben entsprungen wirken und mit ihren Stärken und Schwächen die Handlung jederzeit bereichern und vorantreiben. Sicher keine Hoch- oder Weltliteratur, aber ein gründlich recherchiertes und mit Hintergrund versehenes Buch, dass den Unterhaltungswert nicht zu kurz kommen lässt.
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Vorgeschlagen von Michael Lehmann-Pape [Profil]
veröffentlicht am 24. Oktober 2010

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