Gudrun Pausewang: Omi, liebe Omi

Omi, liebe Omi

Verlag: Ravensburger Verlag [mehr Bücher von diesem Verlag zeigen]
Sparte: Kinderbuch
ISBN-13 978-3-473-34785-8

Preis: 0,10 Euro bei Amazon.de [Stand: 10. Dezember 2016]
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Eines Morgens steht Omi nicht auf und antwortet nicht auf Livs Rufen. Die Nachbarin, Frau Möller, entdeckt, dass Livs Oma plötzlich verstorben ist und kümmert sich um die Achtjährige. Livs Oma hat ihre Enkelin immer betreut, wenn Livs Mutter als Reiseleiterin arbeitete. Oma und Enkelin verbnad ein sehr inniges Verhältnis. Liv verbrachte gemeinsam mit ihrer Omi offenbar eine Kindheit, in der Puppen gehäkelte Kleider tragen und kein Einfluss der Medien zu spüren war. Livs Vater lebt getrennt von Exfrau und Tochter, zusammen mit einer anderen Frau. Wenn Liv ihn in seinem neuen Haus besuchen könnte, würde ihr Vater endlich erfahren, dass sie längst in die dritte Klasse geht und er ihr nicht mehr in Erstklässler-Schrift zu schreiben braucht.

Liv erinnert sich, dass iihre Omi oft über den Tod gesprochen hat. Regelmäßig war sie mit Liv zum Grab ihres Mannes unter der großen Zypresse gegangen, in dem sie eines Tages auch begraben werden wollte. Livs Mutter hat nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter viel zu erledigen, um die Trauerfeier und die Beisetzung vorzubereiten. Obwohl sie sehr beschäftigt ist, nimmt sie sich die Zeit, ihrer Tochter zu erklären, wie es ist, tot zu sein, nicht mehr zu denken, nicht mehr müde zu werden. Beide sprechen nicht nur über den Körper, sondern über Omis Seele. Am Abend im Bett, wenn die Fledermäuse aktiv sind, fühlt Liv sich besonders einsam. Ihre Omi kann jetzt schweben und sie kann ihre Enkelin mitnehmen, um ihr die Welt zu zeigen. Omi möchte Liv unbedingt noch einige wichtige Dinge mit auf ihren Lebensweg geben. Wenn Omi am Abend zu Liv kommt, kann sie nicht nur sprechen, sie kann sich stärker als früher in andere Menschen versetzen. Omi hat noch die schlechten Zeiten nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt; deshalb beurteilt sie vieles anders als zum Beispiel Livs Mutter. Mit jeder Nacht, die Oma und Enkelin gemeinsam unterwegs sind, wird die Entfernung, die sie zurücklegen, weiter. Auch Liv sieht die Welt nun aus einer anderen Perspektive, sie erweitert bei ihren Flügen ihren Horizont und schärft ihre Urteilsfähigkeit. Die Großmutter richtet Livs Blick allmählich vom Jetzt in die Zukunft. Auch Liv wird eines Tages alt sein, ihre Mutter wird dann schon tot sein. Livs Mutter macht in den ernsten Gesprächen mit ihrer Tochter ebenfalls deutlich, dass sie vielleicht nicht mehr leben wird, wenn Liv eines Tages eigene Kinder hat.

In den Nächten, die Omi mit Liv verbringt, wird deutlich, dass Liv viel mehr Zeit zum Abschiednehmen von der Verstorbenen gebraucht hätte. Doch Livs Mutter muss schnell wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren und bis dahin einen Betreuungsplatz für Liv gefunden haben. Über einige Veränderungen im Leben der beiden spricht Livs Mutter nicht, sondern sorgt für vollendete Tatsachen. Mutters Freundin Bettina wird mit ihrer Tochter Paula in Omis Wohnung ziehen. Nicht nur der Vater hat in dieser Familie eine eigenartige Vorstellung von Neunjährigen. Livs Mutter setzt ihre Tochter mit der Drohung unter Druck, wenn das Zusammenleben mit Bettina und Tochter Paula nicht klappt, müsste Liv eben ins Heim. In dieser Szene frage ich mich: Wie wird ein rarer Heimplatz so schnell zu finden sein und wer wird die Kosten dafür tragen? Als dann Paula in Omis Wohnung lebt, hat Liv kaum noch Zeit, an Oma zu denken. Doch ihre Großmutter begleitet Liv, solange sie sie braucht, um die Veränderungen in ihrem Leben zu verarbeiten.

Der märchenhafte Anteil der Handlung erinnert mich stark an Lola auf der Erbse, das auch von Stefanie Harjes illustriert wurde. Lola und Liv, die beide durch Verlust und Trennung aus ihrem bis dahin behüteten, sehr kindlichen Leben gerissen werden, würden sich gut miteinander verstehen.
Fazit
Gudrun Pausewang hat mit "Omi, liebe Omi" eine zeitlose, märchenhafte Geschichte über den Abschied von Livs geliebter Großmutter geschrieben. Beim Vorlesen aus Pausewangs Buch entfaltet das Märchenhafte des gemeinsamen Schwebens mit der verstorbenen Oma eine sehr tröstliche Wirkung. Die Verknüpfung des Erinnerns mit einem Blick in die Zukunft lässt auch erwachsene Leser Trost aus Livs Geschichte schöpfen. Empfohlen für Leser ab 10 Jahren, das Buch kann jedoch bereits jüngeren Kindern vorgelesen werden.
8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne8 Sterne

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Vorgeschlagen von Helga Buss [Profil]
veröffentlicht am 27. Februar 2010

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